Der Fotograf

Die Liebesgeschichte muss noch warten! Wenn sich die Auftragsarbeit türmt, habe ich einfach nicht die Ruhe, Euch eine romatische Geschichte zu erzählen, und zurzeit geht es mal wieder hoch her. Als Trost möchte ich Euch einige Fotos zeigen, die Euch einen kleinen Einblick in Edgars Berufsleben verschaffen.

Edgar war ein Lebenskünstler – er besaß die Fähigkeit, aus allem, was er tat, das Beste zu machen. Mit 15 Jahren verließ er die Schule und arbeitete eine Weile auf der Farm eines Onkels in seinem Geburtsort Beverly bei Hopkinsville in Kentucky. Später war er als Buchverkäufer, Schuhverkäufer und schließlich als Versicherungsvertreter beschäftigt. Bei dieser Tätigkeit zog er sich ein langwieriges Kehlkopfproblem zu, das ihn zwang, die Stelle aufzugeben. Ein Freund bat ihm eine Ausbildung zum Fotografen an, da brauchte er nicht viel sprechen (das Kehlkopfproblem wurde übrigens später mithilfe eines Readings geheilt – in Trance konnte Edgar ganz normal sprechen und nannte eine Lösung).

Glück im Unglück: Edgar entdeckte sein Künstlertalent und wurde ein echter Könner, der mehrfach Auszeichnungen für seine Bilder erhielt. Er fotografierte alles, drinnen und draußen – Gebäude, Gegenstände, Menschen. Nach seiner Heirat betrieb er in mehreren Städten im Süden der USA sehr erfolgreich eigene Fotostudios. Alle seine Kunden waren von seiner freundlichen Art, mit Menschen umzugehen, begeistert. Er brachte selbst sehr unruhige Kinder dazu, still dazusitzen und sich fotografieren zu lassen und er wusste, wie man Menschen gelungen in Szene setzt. Seine Frau Gertrude kümmerte sich um die Finanzen (Edgar konnte mit Geld nicht umgehen) und kolorierte, sofern gewünscht, die Fotos, die Edgar erstellte – Farbfotografie gab es ja damals noch nicht!

Wenn man sich heute Bilder anschaut, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gemacht wurden, so denkt man vielleicht, was ist schon dabei? Das kann ich besser! Vielleicht – vielleicht aber auch nicht? Schon gar nicht mit den Mitteln, die damals zur Verfügung standen …

Camera obskura Fotografieren war damals ja sehr zeitaufwändig. Erstmal musste man das zu fotografierende Objekt richtig in Szene setzen oder sich selbst entsprechend positionieren. Dann stellte man sich hinter ein hohes Stativ, eine Kiste mit Linse und einer mehr oder weniger komplizierten Mechanik im Inneren, nahm eine Platte, die das zu belichtende Material enthielt, schob sie von oben in die Kamera und anschließend verschwand der Kopf unter einem schwarzen Tuch. Blickte man dann durch das Objektiv, sah man zu allem Überfluss auch noch alles auf dem Kopf stehen!

Und bei Innenaufnahmen musste man stark brennbares Blitzlichtpulver in einer speziellen Metallschale verwenden – das war nicht ungefährlich!

Wenn dann der Fotograf endlich soweit war, musste(n) die Person(en) gaaaanz stillhalten, damit das Foto nicht verwackelt wurde, denn bis die richtige Belichtung erreicht war, dauerte es schon ein paar Sekunden. Jaja, das waren noch Zeiten, als noch nicht jeder „drauflos knipsen“ konnte und echten Fotokünstlern längst nicht so viele Möglichkeiten zur Verfügung standen wie heute! Können wir uns das überhaupt noch vorstellen?

Ich habe von der Edgar Cayce Foundation (ECF) in Virginia Beach die Erlaubnis erhalten, Euch nachfolgend drei Fotos zu zeigen, die Edgar selbst fotografiert hat und die ich wirklich sehr schön finde, weil sie einerseits Edgars Liebe zu außergewöhnlichen Motiven zeigen und andererseits seinen Schönheitssinn offenbaren. Das Mädchen, das im weißen Kleid auf einer Bank sitzt, ist übrigens Edgars jüngste Schwester Sarah.

Für die meisten Menschen, die Edgar während seiner Zeit als Fotograf kannten, war er ein liebender Familienvater, erfolgreicher Fotograf und charismatischer Sonntagsschullehrer. Dies war das normale Leben, das ihm gefiel. Doch seine Fähigkeiten als Seher holten ihn immer wieder ein, bis er begriff, dass er sich ihnen nicht auf Dauer entziehen konnte. Ungefähr ab 1921 widmete er sich „hauptberuflich“ seiner Gabe als Seher. Heute weiß kaum noch jemand etwas von seinem anderen, ganz großen Talent, das er über 25 Jahre lang mit Begeisterung pflegte: der Fotografie.

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Die Sünde Amerikas

Der Titel klingt reißerisch, nicht wahr? Fast wie aus einem Roman. Scheint gut in unsere Zeit zu passen … Doch schon 1944 war es vielen Menschen klar, dass die US-Amerikaner als Volk zwar stolz auf ihre Unabhängigkeitserklärung und ihre Verfassung sind (und sich anderen Völkern deswegen überlegen fühlen), jedoch nur wenige auch wirklich danach handeln. Seit Jahren erleben wir nun, wie sehr die so genannten “Mächtigen” der USA grundlegende Freiheiten immer mehr aushöhlen – paradoxerweise im Namen der Freiheit; und wie wenige Menschen in den USA dies als problematisch betrachten (schließlich geht es ja um ihre Sicherheit, oder?).

Nun, das soll hier nicht das Thema sein. Mitten im zweiten Weltkrieg äußerte sich Edgar in Reading 3976-29 über so genannte “Gruppenschwingungen” einzelner Nationen. Der “Geist der Nationen” in dem Sinne, was eine Nation anstrebt oder schätzt, war das Schlüsselwort. Nun geht es in diesem Reading nicht um irgendwelche Stereotypen, die wir zu Genüge kennen. Edgar weist darauf hin, dass jede Nation in ihrer Vorstellung einen Standard für die Aktivitäten des Menschen gesetzt hat. Er erklärt, dass es unveränderliche Gesetze gibt, darunter dieses: “Gott ist Gesetz. Gesetz ist Gott. Liebe ist Gesetz. Liebe ist Gott.” Aber jeder Mensch und jedes Volk hat unterschiedliche Auffassungen von diesen Gesetzen und ihrer Anwendung.

Nach dieser Einleitung beleuchtet Edgar einige Nationen, vor allem natürlich sein Heimatland. Er erklärt, dass die meisten Amerikaner, nach dem Geist ihrer Nation gefragt, stolz “Freiheit” antworten würden. Doch Edgar stellt die Frage: “Freiheit von was? Wenn wir die Herzen und den Verstand der Menschen auf verschiedene Art und Weise binden, gibt dies ihnen Redefreiheit? Religionsfreiheit? Freiheit von Armut?”. Laut Edgar ist “Freiheit” eng mit dem freien Willen verknüpft: “Gott schuf den Menschen als frei und gab ihm daher den Willen, sogar den Willen, Gott zu trotzen.”

Edgar weist auch darauf hin, dass die Amerikaner einst ihre Nation auf dem Grundsatz “Wir vertrauen auf Gott” gründeten und dass dieser Grundsatz immer mehr in Vergessenheit gerät. Zitat: “Tut ihr dies in eurem eigenen Herzen? … Tut ihr dies in eurem Gebet? … wir vertrauen auf Gott? Nicht mal für fünfzig Cent!” Laut Edgar besteht die Sünde Amerikas darin, dass es diesen Grundsatz vergessen hat und nicht der Wahrheit gemäß lebt. Denn Gott ist Wahrheit und “jene Nationen, die gelobt haben, dass der Mensch frei sei, sollten auch geloben: ‘Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.’”

Wollen wir noch einige andere Nationen beleuchten? Was sagt Edgar z.B. über Russland, das damals noch kommunistisch war? “Durch Russland kommt die Hoffnung der Welt; nicht als das, was gelegentlich als Kommunismus, Bolschewismus bezeichnet wird; nein. Sondern Freiheit, Freiheit! Dass jeder Mensch für seinen Mitmenschen lebe! Der Grundsatz wurde geboren. Er wird Jahre brauchen, um sich herauszukristallisieren, aber aus Russland kommt wieder die Hoffnung der Welt. Geleitet durch was? Durch jene Freundschaft mit der Nation, die sogar auf ihre gegenwärtige Währung geschrieben hat: ‘Wir vertrauen auf Gott.’ [“In God we trust”, auf den Scheinen und Münzen des US-Dollars zu lesen].” Prophetische Worte?

Und China? Edgars Aussage über China klingt schier unglaublich: “Es gab über viele Zeitalter ein Wachstum, ein Strömen durch das Land, das alleingelassen sein wollte, um nur mit dem im inneren Selbst zufrieden zu sein. Es erwachte eines Tages und schnitt sein Haar ab! Und es begann, zu denken und etwas mit dem Denken zu tun! Dieses wird hier eines Tages die Wiege der Christenheit sein, angewandt auf das Leben der Menschen. Sicher, in der menschlichen Zeitzählung ist es noch weit entfernt, aber es ist nur ein Tag im Herzen Gottes – denn morgen wird China erwachen.”

Schauen wir uns noch Indien an, “wo die Wiege des Wissens nicht angewandt wird, außer im Selbst. Was ist die Sünde Indiens? Das SELBST, ohne das “süchtig”; einfach nur das Selbst.” Frei nach dem Motto: Der Mensch lebt nicht für sich allein …

Und zum Schluss ein Aufruf an uns alle: “Worum geht es also? ‘Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzem Herzen, deiner Seele, deinem Verstand und deinem Körper, und: deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst.’ Der Rest aller Theorien, die der Mensch sich ausdenken mag, ist nichts, wenn dies nur gelebt wird.”

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Reading 3976-29 nennt noch andere Nationen und ist auch sonst in vielerlei Hinsicht ausgesprochen aufschlussreich. Lesen könnt Ihr es hier.

Frieden und Harmonie

Der Fokus von Edgars Readings lag immer auf der spirituellen Entwicklung des Menschen, ganz gleich, ob es sich um Readings über Weltereignisse, Gesundheit, (frühere) Leben, versunkene Kulturen oder spirituelle Themen handelte. Die schöpferischen Kräfte, die eigene, uns innewohnende Macht, die Bedeutung von Idealen und der richtigen Denkweise werden in fast allen Reading immer wieder erwähnt und hervorgehoben.

So ist es kein Wunder, wenn wir diese Ausrichtung auch in den wenigen Readings über Weltereignisse oder soziale Belange entdecken. Zum Beispiel finden wir in Reading 1723-1, das Edgar nur 10 Monate vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gegeben hat, diese Aussage:

„Obwohl also Änderungen kommen, obwohl die Himmel in Aufruhr sein werden, obwohl die Erde und alle Aktivitäten sich im Kampf befinden werden, deine Taten, auf rechte Art und Weise vollbracht, werden sich nicht ändern, sondern im Herzen und im Verstand auf solche Weise fortleben, dass sie jenen Frieden und jene Harmonie bringen, die nur zu denen kommt, die danach streben, einfach nur freundlich zu ihren Mitmenschen zu sein!“

Wenn ich mir anschaue, was zurzeit auf der Welt alles los ist, so finde ich den Text ausgesprochen aktuell. Weltweit gärt es. Ob es sich nun um Kriege, Revolutionen, Atomkraft, die Aufweichung des Datenschutzes, die Gentechnik, die Eurorettung, leere Versprechungen der Pharmaindustrie, Machtmissbrauch, Lobbyarbeit, ‚Kampf gegen den Terror‘ und was dergleichen Unarten mehr sind, handelt: Mehr und mehr Menschen werden gewahr, wie große Konzerne und Politiker versuchen (und es auch schaffen), uns zu kontrollieren, zu manipulieren; und sie sind immer weniger bereit, das hinzunehmen. Beides – das Streben nach immer mehr Kontrolle und Macht und der Wunsch, sich davon zu befreien – wird durch die vielfältigen Möglichkeiten, die uns unser Informationszeitalter bietet, begünstigt. Wir rücken immer mehr zusammen, bekommen immer mehr mit. In Reading 3976-8 vom 15. Januar 1932 beschreibt Edgar das (durchaus prophetisch) so:

„In dem Maße, in dem die Welten allmählich einander näher rücken, so dass der Mensch auf der anderen Seite der Erde ebenso Nachbar ist wie der Mensch gleich nebenan, sind immer mehr Unruhen aufgekommen aufgrund des Versuchs von einzelnen Führern oder Gruppen, einen Teil der Welt zu veranlassen, zu zwingen oder zu nötigen, so wie der andere Teil zu denken, oder eine andere Gruppe zu verpflichten, zusammen als Brüder, verbunden durch Gleichgestimmtheit, zu leben, mit einer einzigen Norm für alle. […] Die Welt als Ganze hat ihr Ideal verloren.“

Ganz klar geht hieraus hervor, dass man anderen Menschen und Völkern nicht die eigenen Maßstäbe aufzwingen darf. Jeder Mensch und jedes Volk hat ein Recht, auf seine ureigenste Art und Weise zu leben und die Dinge anzugehen. Und wenn wir wirklich dauerhafte Änderungen herbeiführen wollen oder dies von anderen erwarten, müssen wir bei uns selbst anfangen und uns fragen, ob wir selbst denn die Ideale leben, die wir anderen ‚aufdrücken‘ wollen? Wir müssen uns fragen, ob wir wirklich jeden einzelnen Menschen, nein, was sage ich, jedes einzelne Lebewesen! respektieren und auch mit Respekt behandeln? Solange wir irgend jemanden abwertend be- oder sogar verurteilen, solange es für uns Gegner, ja, sogar Feinde gibt, wird sich die Welt im Außen nicht ändern, so sehr wir uns das auch wünschen.

Denn: Nicht nur unser jeweiliges individuelles Gegenüber ist ein Spiegel unserer selbst, nein, auch die Welt als Ganze spiegelt unsere Einstellungen und Überzeugungen wider. Die Welt ist so, wie sie ist, unter anderem auch, weil WIR so sind, wie wir sind! Ich weiß, dass das sehr schwer zu akzeptieren ist. Wenn wir aber verstehen, dass es kein „hier drinnen und da draußen“ gibt, sondern dass alles miteinander verbunden ist, dann können wir bei uns selbst anfangen, die Welt aus unserem Inneren heraus zu verändern. Wie Edgar weiter so schön ausführte:

„Wie soll dies herbeigeführt werden? Indem jeder in seinem eigenen jeweiligen Umfeld das umsetzt, von dem er weiß, dass es die Erfüllung von dem ist, was im Anfang gegeben wurde; so wird das kleine bisschen Sauerteig den ganzen Klumpen gären lassen.“ (3976-8)

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Wenn ich nächste Woche die Zeit finde, erzähle ich Euch eine kleine Liebesgeschichte! Wenn nicht, müsst Ihr mit der „Sünde Amerikas“ vorlieb nehmen …

Das Materielle

“Das Materielle ist bestenfalls nur zeitweilig oder vorübergehend, während das, was aus spirituellem Streben, spirituellen Absichten entsteht, ewig ist.” Aus Reading 1971-1

Jaaa … so wie alles Materielle zeitweilig oder vorübergehend ist, so war es auch das Design dieses Blogs. Ich hatte schon lange vor, es zu ändern, weil es mich selber auch nicht mehr ansprach, aber wie das so ist: Erst ist dies zu tun, dann jenes, hierauf muss geachtet werden, darauf will man nicht verzichten.

Und dann das: Fronleichnam gehe ich auf die Seite und was sehe ich? Die Bildleiste ist kleiner geworden und nach links verschoben, wodurch das ganze Erscheinungsbild einfach nur sch…. (ähem) aussieht. Alle meine Versuche, das Problem zu beheben, scheitern. Was tun? Einzige Lösung: Design ändern, möglichst schnell, was sollen schließlich meine Besucher denken, wenn sie das sehen?

Mitten in der dicksten Auftragsarbeit hieß es also: neues Theme suchen, neue Titelleiste fabrizieren, individuelle Anpassungen vornehmen. Und nachdem ich wieder einmal mit dem Zeitdehnen herumgespielt hatte – es klappt, es klappt wirklich!!! – machte ich mich an die Arbeit. Nun hat der Blog ein neues Kleid und die Auftragsarbeit ist auch fertiggeworden – und das alles ganz ohne Stress! Was mache ich bloß mit dem Satz: Was du heute kannst besorgen … usw., wenn es doch auch so klappt? ;)

Nun, auch dieses Design wird aller Wahrscheinlichkeit nach nur vorübergehend sein – nicht aber unser spirituelles Streben, unsere spirituellen Absichten, bei denen uns dieser Blog ein kleines bisschen Hilfestellung bieten soll. Die Ideen für neue Artikel sprudeln noch immer hervor, ungefähr 20 Themen warten zurzeit darauf, ausgearbeitet zu werden. Und wenn Ihr Wünsche oder Vorschläge habt, sind sie jederzeit herzlich willkommen! Es bleibt also spannend …

Ach so, ja, gefällt Euch das neue Design? Das fragt Euch
Eure Stefanie

Persönlichkeit und Individualität

Von Mark Thurston

Gegen Ende von Edgars Leben wird seine spirituelle Psychologie in ihrer ganzen Reife deutlich. Viele der in dieser Zeit gegebenen Readings waren recht kurz, unter anderem wegen der hohen Arbeitsbelastung, die er auf sich genommen hatte. Aber nicht selten ist Kürze ein Zeichen für Weisheit, und einige dieser kürzeren Readings gehören zu seinen wichtigsten.

In Reading 3590-2 vom 26. Januar 1944 finden wir seinen vielleicht vielsagendsten Vortrag über Persönlichkeit und Individualität. Diese Begriffe sind der Schlüssel zur spirituellen Psychologie, der sich quer durch alle Readings zieht. […]

Persönlichkeit ist das Selbst, das wir der Außenwelt zeigen. Sie ähnelt dem, was Carl Jung als Persona bezeichnet, die Maske, die jeder von uns trägt und hinter der wir uns verstecken, wenn wir im Alltag mit Menschen und Situationen zu tun haben. Sie ist die uns vertraute Selbstidentität. Auf eine gewisse Weise ist sie das Selbst, das wir im Spiegel oder auf einem Video von uns sehen. Aber die Persönlichkeit besteht auch aus Teilen unseres Innenlebens. Sie ist zum Beispiel in der vertrauten, alltäglichen Weise zu erkennen, in der wir leise zu uns selbst sprechen, in jenen leisen Stimmen, mit denen wir uns selbst durchschauen oder kritisieren. Sie basiert auf üblichen Mustern, die wir auf unserem Weg gelernt haben.

Die Persönlichkeit ist eher mit dem Selbst und ihrem eigenen Gefühl der Bedeutung beschäftigt. Sie bezieht sich auf den Wunsch, dass unsere Mitmenschen „die persönliche Überlegenheit erkennen“ mögen. So betrachten wir die Persönlichkeit vielleicht aus einem bestimmten Vorsatz heraus, uns selbst in den Mittelpunkt der Dinge zu stellen, was wiederum zu Gewohnheiten im Denken, Fühlen und Handeln führt, die beginnen, ein Eigenleben anzunehmen.

Die Persönlichkeit kann bewusst oder unbewusst handeln. Meist handelt sie leider unbewusst. Wir neigen dazu, automatisch zu handeln und zeigen starke Gewohnheitsmuster, die uns antreiben. Die Persönlichkeit ist das eingefleischte Element unseres Wesens und kann ein großes Hindernis für unser Wachstum sein, besonders wenn sie versucht, die Individualität zu verdrängen.

Die Individualität ist unser wahres Wesen. Sie ist das Selbst, das von einem Leben zum nächsten fortbesteht. Sie ist das höhere Selbst, ein Begriff, den Edgar nur selten verwendete. Stattdessen nannte er den Begriff Individualität. Vielleicht scheute er sich, ‚höheres Selbst‘ zu sagen, da er nicht wollte, dass wir dieses tiefe, wahre Selbst als schon vollkommen ansehen; denn die Individualität muss noch immer wachsen und sich weiterentwickeln. Was sie so besonders macht, ist ihr das Vermögen ihres Wachstums, ihr dahingehender starker Antrieb. Die Persönlichkeit wiederum ist recht zufrieden mit dem Status quo, selbst wenn er einen gewissen Grad an Unbequemlichkeit oder sogar Schmerz umfasst.

Individualität ist die in der Meditation erweckte Identität. Eine von Edgars schönsten Definitionen dieser wichtigen spirituellen Disziplin lautet, dass sie eine Aktivität ist, die nicht an der Persönlichkeit, sondern stattdessen an der Individualität teilhat. Sie erinnern sich vielleicht an Zeiten, in denen Sie meditierten und spürten, dass eine Verschiebung stattfand: Plötzlich wurden die üblichen Denk- und Gefühlsmuster ruhig und Sie erinnerten sich deutlich an eine andere Seite Ihres Selbst, an diesen neu erwachten Teil, der das universelle Bewusstsein berührt. Durch die Verbindung mit Ihrer Individualität fühlten Sie sich vermutlich sicher und geborgen, und das machte es einfach, am Ende Ihrer Meditation Gebete für andere zu sprechen.

Was unterscheidet Persönlichkeit und Individualität auf grundlegendster Ebene? Auf welche Weise ist Persönlichkeit etwas anderes als Individualität (der aufrichtigere Weg, uns selbst zu erkennen)? Der wesentliche Unterschied sind der Blickwinkel und die Weltanschauung. […] Unser Persönlichkeits-Selbst denkt, sagt und tut Dinge mit einem ganz besonderen Motiv: dem unserer eigenen Bedürfnisse. Auf der anderen Seite kann unser Individualitäts-Selbst die gleiche Situation mit einer anderen Motivation betrachten: einem Interesse für das höhere Gute und der Fähigkeit, die Bedürfnisse anderer zu erfüllen. Im Wesentlichen ist dies die goldene Regel, auf die sich Edgar in dem Reading indirekt bezieht.

Zugegeben, Persönlichkeit hört sich ziemlich schlecht und Individualität ziemlich gut an. In anderen Readings zu diesem Thema erinnert Edgar uns jedoch daran, dass die Persönlichkeit für unser Leben in der materiellen Welt nötig ist. Bis zu einem gewissen Grad müssen wir uns sogar um uns selbst kümmern und bestimmte Gewohnheiten und Routinen entwickeln. (Können Sie sich vorstellen, ein Auto zu fahren und immer auf jede Kleinigkeit, die Sie tun, achten zu müssen? Hier ist die Persönlichkeit in der Tat sehr hilfreich.) Das Problem tritt auf, wenn wir den Kontakt mit der Individualität verlieren und glauben, dass wir nur aus Persönlichkeit bestehen.

Leicht abgeändert übernommen aus dem von mir übersetzten Buch „Die Lehre des Edgar Cayce“ von Mark Thurston (vergriffen), Seiten 106-109.

Blume

Ich will

Lieber Helge, dieser Artikel ist Dir gewidmet, wegen Deiner Worte, die mich oft zum Nachdenken bringen, Deiner Geduld, die Du uns allen immer wieder zeigst, und Deinem Schweigen auch dann, wenn Du jede Menge zu sagen hättest …

Neulich hörte ich diese kleine Anekdote: „Ein Mann kam zu Buddha und sagte: Ich will Zufriedenheit. Und Buddha sagte: Lass das ‚Ich‘ weg, das ist Ego. Dann lass das ‚will‘ weg, das ist Verlangen. Und dann sieh was übrig bleibt: Zufriedenheit.“

Diese Geschichte hat mich zu so einigen Nachdenkereien angeregt, aber zu einem richtigen Ergebnis bin ich nicht gekommen. Naja, mal schauen, vielleicht springen ja ein paar Anregungen dabei raus – wer weiß? ;)

1. Nachdenkerei: Ich = Ego?
Wenn man so manche Texte liest, bekommt man den Eindruck, das Ego sei nicht unbedingt wünschenswert. Vielfach wird einem gesagt, man müsse es überwinden, weil man nur so zu wahrer Spiritualität gelangen könne. Aber ist das wirklich so? Heißt das nicht, dass wir dann einen wesentlichen Teil von uns aufgeben müssen? Denn mal ganz ehrlich: Wenn alles seinen Sinn hat, so hat es auch einen Sinn, dass der Mensch ein Ego hat. Nun bin ich kein Experte, aber wenn ich das „Ego“ rein gefühlsmäßig definieren müsste, würde ich sagen, es bezeichnet das „Getrenntsein vom Ganzen“. Das kann durchaus nützlich sein; es kann uns zum Beispiel ein gewisses Selbstwertgefühl geben, was hier in dieser materiell orientierten Welt bitter nötig ist. Es ist, wenn nichts anderes, bestimmt eine lohnenswerte Erfahrung, die uns niemand mehr nehmen kann. Wir dürfen an dieser Stelle nur nicht stehenbleiben oder gar „selbstzentriert“ werden. Es darf es uns nicht beherrschen.
In der Philosophie, wie Edgar Cayce sie in seinen Readings angab, heißt es, das Ego sei „das Verlangen, anders zu handeln als nach dem Willen Gottes. Wenn die Seele zu Gott zurückkehrt, wird das Ego freiwillig aufgegeben.“* Wir können es aber jetzt schon transzendieren, das heißt, darüber hinausgehen. Das schaffen wir, wenn wir uns ein höheres Ideal setzen und zu der Erkenntnis gelangen, dass wir ja überhaupt nicht getrennt vom Ganzen sind!

2. Nachdenkerei: „will“ bedeutet, dass mir etwas fehlt, dass ich etwas brauche, und es bezieht sich eindeutig auf die Zukunft. Bekommen wir denn das Angestrebte, wenn wir bei dem „will“ bleiben? Ich will dieses Produkt. Ich will mehr Wohlstand. Ich will mehr Freude. Ich will geduldig sein. (Übrigens: Geduldig – erinnert Ihr Euch an den Artikel? Bei mir hapert’s doch noch sehr an der Praxis … oder „will ich“ vielleicht zuviel?) Ich will, ich will, ich will …
Wie wäre es, wenn wir zur Abwechslung mal sagen „Ich bin“ oder „Ich habe“? Ich habe Wohlstand. Ich habe Freude. Ich bin geduldig. Usw., usf. Klingt das nicht gleich ganz anders? Irgendwie gegenwärtiger? Wie fühle ich mich dabei? Froher? Dankbarer? Bin ich dankbar für das, was ich JETZT, in diesem Augenblick, habe und erlebe? Vielleicht sollte man sich mal über das Wörtchen „Dankbarkeit“ und darüber, wie diese sich auf das Gesetz der Anziehung auswirkt, Gedanken machen?

Und dann habe ich noch diesen Auszug aus Reading 2842-2 gefunden:
„Frage: Habe ich das Recht, Fülle zu fordern [ich will] oder sollte ich mit meinem kleinen Einkommen zufrieden sein?
Antwort: Sei zufrieden mit dem, was du hast, aber sei niemals zufriedengestellt von dem, was du hast! Fülle ist das Los dessen, der mit den Wahrheiten der Schöpferischen Energie im Einklang ist.“

3. Nachdenkerei: Wann sind wir denn überhaupt zufrieden? Und was ist eigentlich Zufriedenheit? Das konnte ich für mich nie so ganz genau definieren. Generell würde ich sagen, wenn man zufrieden ist, lebt man mit sich selbst und seinen Mitmenschen in Frieden und man ist dankbar für das, was man hat. Das ist die Theorie. In den Readings finden wir so einiges zu diesem Thema; dort wird zwischen (a) „contentment“ und (b) „satisfaction“ unterschieden. Oft werden beide Begriffe ziemlich ungenau mit „Zufriedenheit“ übersetzt. Ich persönlich würde allerdings (a) mit „Zufriedenheit“ und (b) mit „Zufriedenstellung“ (im Sinne von vorübergehend) übersetzen.

In Reading 262-24 wurde Edgar gefragt:
„[Erkläre] ‚Zufrieden, jedoch nicht zufriedengestellt‘.
Antwort: Zufrieden in diesem Sinne: ‚Möge Dein Weg beschritten werden, Herr. Nutze mich als Deinen Kanal. Nicht mein Wille, sondern Dein Wille geschehe.‘ Das ist zufrieden.
Zufriedengestellt bedeutet befriedigt und es ist der Anfang vom Absturz, denn dann wird das Selbst verherrlicht.“

Und in Reading 262-121 heißt es:
„Lehre dich selbst, andere zu lehren, geduldig zu sein, zufrieden zu sein; nicht zufriedengestellt, sondern zufrieden im Sinne des Herrn!“

Vielleicht habe ich Euch ja jetzt auch zum Nachdenken gebracht? ;)

*(Zitat aus: Edgar Cayce, Die Geschichte eines schicksalhaften Lebens von Tom Sugrue)

Dies ist die ganze Antwort

Pfingsten – das Fest des (Heiligen) Geistes. Christlicher Überlieferung zufolge ist an diesem Fest der Geist Gottes über die Apostel gekommen, damit sie Gottes Verbundenheit mit allen Menschen in allen Sprachen verkünden.

Doch der Geist kommt nicht von außen, sondern er ist in uns! „Die Suche nach Gott beginnt und endet im Selbst,“ heißt es in Reading 2282-1. Der Auftrag aber bleibt für uns alle gleich.

Schon 1932 erklärte Edgar Cayce in Reading 3976-8, dass die Welt sich grundlegend verändert, und dass es auf uns ankommt, in welche Richtung diese Veränderung geht. Eins ist klar: Eine Wandlung zum Guten können wir nur auf der Basis des Miteinander und der Verbundenheit mit allem, was lebt, herbeiführen.

Vielleicht findet Ihr an den Pfingsttagen ja mal Zeit, die folgenden Zeilen auf Euch wirken zu lassen?

„Die Menschen mögen nicht die gleiche IDEE haben. [Doch] die Menschen – ALLE Menschen – können das gleiche IDEAL haben! So wie sich der Geist Gottes einst bewegte, um aus Chaos Frieden und Harmonie zu schaffen, so muss der Geist sich über die Erde bewegen und sich im Herzen, im Verstand und in der Seele der Menschen verstärken, um Frieden, Harmonie und Verständnis zu bringen, damit sie gemeinsam auf eine Weise leben können, aus der jener Friede, jene Harmonie entsteht, die nur erwachsen kann, wenn alle das gleiche Ideal haben – nicht die eine Idee, sondern ‚Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen … und deinen Nächsten sollst du lieben WIE dich selbst!’ Dies [ist] das ganze Gesetz, dies [ist] die ganze Antwort für die Welt, für jede einzelne Seele. Das ist die Antwort auf den Zustand der Welt, wie er heute existiert.“ (3976-8)

Ein frohes Pfingstfest wünscht Euch herzlich
Eure Stefanie

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