Amerikanischer Nostradamus?

Seit einigen Jahren kursiert im WWW ein neuer Name für Edgar Cayce: „Der amerikanische Nostradamus“ oder, auf Englisch, „The other Nostradamus“. Aber ist diese Benennung tatsächlich gerechtfertigt?

Cayce und Nostradamus Schon bei der Betrachtung des Lebenswegs der beiden Männer lassen sich keine Gemeinsamkeiten entdecken. Den Lebenslauf von Nostradamus kann man auf mehreren seriösen Internetseiten nachlesen, z.B. hier: Jean-Claude Pfändler über Nostradamus

Zur Person Edgar Cayces habe ich umfassende Informationen auf http://www.cayce-portal.de zusammengestellt.

Nostradamus: Apotheker, Pestarzt, Verfasser von Büchern mit prophetischen Versen.

Edgar Cayce: Farmer, Buchverkäufer, Fotograf. Nur ein Buch bekannt: „Mein Glaube“ („What I Believe“).

Nostradamus: Hat sein ganzes späteres Leben den Prophezeiungen gewidmet. Er erstellte so genannte Almanache, beschäftigte sich mit Astronomie und vermutlich mit der Kabbala und stellte für seine über 900 Prophezeiungen, wie er selber sagte, „umfangreiche und langwierige Berechnungen“ an.

Edgar Cayce: Hat kaum jemals wissentlich Prophezeiungen gegeben. Gerade mal 0,2% seiner Trance-Readings (26 +/- 1) enthalten abschnittsweise Prophezeiungen über Weltgeschehen und Erdveränderungen. Seine Readings lassen sich grob in die folgenden Hauptthemen gruppieren: Gesundheitsbezogene Informationen – Spirituelles Wachstum, Meditation und Gebet – Philosophie und Reinkarnation – Einssein – Träume und Traumdeutungen – ASW und übersinnliche Fähigkeiten. Meine Meinung: Er spielte in einer ganz anderen Liga!

Nostradamus: Niemals war klar, wie er seine Einsichten herbeirief oder erhielt. Darüber äußerte er sich nur vage. In seinem Brief an seinen Sohn schreibt er, er habe „nächtliche Studien“ betrieben, „durch göttliche Gewißheit und durch astronomische Hilfestellung“ Erkenntnisse gewonnen. Er habe auch „einige Buchbände, welche über lange Jahrhunderte verborgen waren“, eingesehen, sie aber „nach der Lektüre dem Vulkan zum Geschenk gemacht“.

Edgar Cayce: Mehrfach wurden Readings gegeben, in denen nach seiner Fähigkeit gefragt wurde. Immer gab er klare und präzise Antworten. In der Regel ging er zwei- bis fünfmal täglich in Trance. Dabei brauchte er jemanden, der ihm half, sicher in die Trance und wieder aus ihr herauszukommen. Stets waren Zeugen anwesend, wenn er Readings gab: der/die Leiter/in, die Stenographin, Verwandte, Bekannte, in der Anfangszeit auch Ärzte. Nichts geschah im Verborgenen. Um den „schlafenden“ Edgar zum Sprechen zu bringen, musste man ihm Fragen stellen.

Nostradamus: Verfasste seine Prophezeiungen sehr allgemein gehalten in schwer verständlicher Versform. Inge Hüsgen und Bernd Harder schreiben: „Die Texte sind in einer Mischung aus Altfranzösisch, Latein und provenzalischem Dialekt verfasst, ferner enthalten sie Lehnwörter aus dem Spanischen und Italienischen sowie zahlreiche Wortneuschöpfungen, während konkrete Angaben zu Zeit, Ort und Personen fast ganz fehlen.“

Edgar Cayce: Durchgehend Prosa, häufig im Stil der zu seiner Zeit viel gelesenen King James Bible. Auf konkret gestellte Fragen gab er fast immer konkrete Antworten. Seine Readings waren stets auf eine bestimmte Person, eine bestimmte Gruppe, ein bestimmtes Themengebiet bezogen.

Nostradamus: „Die Verse sind so unklar, dass man vieles hineininterpretieren kann, ähnlich wie bei Horoskopen auch“, sagt der Historiker und Nostradamus-Experte Jörg Dendl. Wer wissen will, wie unterschiedlich ein und derselbe Vers gedeutet werden kann, der schaue unter www.relinfo.ch

Edgar Cayce: Er antwortete immer im Klartext auf Fragen, die ihm gestellt wurden. Wenn etwas unklar war, dann deshalb, weil nicht weiter gefragt wurde. Zugegeben, auch einige seiner Prophezeiungen bieten Auslegungsspielraum, vor allem, wenn sie nicht im Textzusammenhang dargestellt werden und ganz besonders, wenn es um Daten geht. Doch anders als Nostradamus verwendete er weder Mythologien, noch Anagramme, noch Elemente antiker Geschichte als Symbole. Nur auf sein Lieblingsbuch, die Bibel, bezog er sich häufig.

Eine Gemeinsamkeit haben Edgar Cayce und Michel de Nostredame aber doch: Beide betonten, dass die Zukunft nicht vorherbestimmt ist, Edgar Cayce in seinen Readings (z.B. in 5749-2, „… die Zeit kennt niemand … nicht einmal der Sohn selbst …“), Nostradamus in einem Brief an seinen Sohn César („… denn wir kennen weder den Tag noch die Stunde …“). Und so trifft vielleicht diese Aussage im Blog http://kenonitro.wordpress.com auf beide zu:

„Die Zukunft zu sehen im Sinne des Nostradamus-Effekts ist nichts weiter als die Gegenwart zu kennen. Daraus werden sich einige Dinge in die Zukunft projizieren lassen – andere werden als Gedanken, Träume und nicht umgesetzte Pläne Teil des Ganzen bleiben. Wir sind nicht vorbestimmt – es liegt an uns – im Hier und Jetzt.“

Und hier noch ein Bonbon für die Skeptiker unter Euch: Falsche Vorhersagen

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Autor: Cayceportal

Hallo, ich heiße Stefanie Piel und bin Diplom-Übersetzerin für Englisch und Französisch. Ich habe mich dem Werk Edgar Cayces verschrieben. Energiearbeit, Quantenphysik, Epigenetik und die Tatsache, dass wir mit allen und allem verbunden sind, begeistern mich immer wieder. Noch nie zuvor war ich so nahe an meinem wahren Ich dran wie jetzt. Ich möchte Edgar Cayce aus der esoterischen Ecke herausholen und sein Werk, basierend auf den neuesten Erkenntnissen, näher beleuchten.

2 Kommentare zu „Amerikanischer Nostradamus?“

  1. Ich denke dass es viele Leute gibt die falsche Voraussagen machen. Das mag sein und das kennt man ja auch zur Genüge. Mich wundert auch mit welcher Selbstverständlichkeit und Selbstsicherheit oft solche Voraussagen gemacht werden, noch dazu mit genauem Datum.

    Was Nostradamus betrifft kann man aber kein Urteil abgeben, weil bisher keiner weiss was er überhaupt sagt. Der Herr Nolan, hier verlinkt, lebt davon Bücher zu schreiben die spektakulär klingen, denn nur dann werden sie gekauft. Er hat mit Nostradamus angefangen und vor Jahren klang er noch ganz anders. Jedenfalls beweist er mit seinen Übersetzungen, dass er gar nicht versteht was Nostradmus wörtlich sagte, geschweige denn was er symbolisch ausdrücken wollte. Er erklärt z.B. ausführlich den Vers IV/33 auf http://nostradamus-prophezeiungen.de/nostradamus/nostradamus2.html und meint, Nostradamus habe Neptun genannt und der sei damals nicht entdeckt gewesen. Was er mit dieser tiefschürfenden Erkenntnis ausdrücken will? Er versucht zu erklären, der Name sei vielleicht gewählt worden, weil man Nostradmus gelesen habe, aber Nostradamus habe ihn nicht hellseherisch vorher gewusst.

    Wie er richtig schreibt ist Neptun ein Gott und nur weil dort auch Venus, Mond und Mars vorkommen bedeutet das nicht zwingend, dass es sich um eine Aufzählung von Planeten handelt. Darum handelt es sich sicher nicht.

    Man kann Nostradamus mit niemandem vergleichen, weil man ihn nicht versteht, was ja Absicht war. Das schreibst du ja auch. Deshalb ist mir nicht ganz klar wieso du Nostradamus mit Cayce vergleichst. Nur weil andere den einen mit dem Namen des anderen schmücken?

    Nolan wundert sich, weshalb viele Voraussagen übereinstimmen. Unter anderen zitiert er die Voraussage, dass Japan versinken soll. Diese Voraussage hat Cayce gemacht, aber anscheinend ohne Zeitangabe. http://www.j-lorber.de/proph/seher/cayce.htm Auch der imem wieder behauptete Polsprung stammt von Cayce und wird immer wieder zitiert. Er hat offenbar sehr viel gesagt und darunter auch vieles das nicht stimmte. Man müsste sich genauer damit auseinander setzen um zu wissen was man davon zu halten hat.

    Dass Menschen gerne spektakuläre Beinamen verteilen darf einen nicht wundern. Nostradamus ist in Europa sicher bekannter als Cayce und so macht man Caye bekannt. Das ist schon fast ein Werbegag. So können sich die Leute etwas unter ihm vorstellen. Dabei geht es nicht um Vergleich. Obwohl niemand weiß was Nostradamus wirklich sagte geht das Gerücht um, er habe alles vorausgesagt was bisher passiert ist und noch passieren wird. Das ist ein psychologisches Phänomen das man schwer erklären kann. Indem man Cayce den „amerikanischen Nostradamus“ nennt verschaft man ihm diesen „nostradamischen Nimbus des Unfehlbaren“. Mehr nicht.

    Aber wir sind natürlich in vielem vorbestimmt, das wird dir jeder Gehirnforscher bestätigen.

    1. Hallo Susanne,
      danke für den ausführlichen Kommentar! Dass Nostradamus einzigartig war, wird keiner bestreiten. Ich habe mich mit ihm bisher kaum beschäftigt, da man in seine Verse alles und nichts herauslesen kann. Ich habe nicht verglichen – mein Ansatz lag darin, die Unterschiede herauszustreichen. Wenn man „den einen mit dem Namen des anderen schmückt“, entstehen bei vielen Menschen falsche Vorstellungen. Du schreibst ja selbst, „So können sich die Leute etwas unter ihm vorstellen“. Aber Edgar Cayce war kein Prophet, auch wenn in einigen seiner Readings Prophezeiungen gemacht wurden. Auch sollte man unterscheiden zwischen Voraussage und Prophezeiung. Das eine bedeutet, „es passiert“, das andere „es könnte passieren, wenn nicht …“. Edgar hat nie etwas „vorausgesagt“.
      Lies den Artikel noch mal richtig durch, dann siehst Du auch, wo der Schwerpunkt seines Werks liegt.
      Auf der Website „j-lorber.de“, die Du verlinkst, stehen nur abgeschriebene, zusammengestoppelte, zum Teil fehlerhaft übersetzte Auszüge aus verschiedenen Readings (vergleiche auch meinen Post „Peinlich, peinlich“). Auch hat Edgar keinen „Polsprung“ prophezeit.
      Sein Werk umfasst über 14.300 Readings und ist noch längst nicht ausgewertet. Ich persönlich weiß allerdings ganz genau, was ich davon zu halten habe, sonst würde ich mich nicht seit über 25 Jahren mit dem Thema beschäftigen.
      Zum Thema „Gehirnforschung“ könnte man eine komplette Diskussion entfachen, deshalb will ich da nicht näher drauf eingehen.

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