Spiel mit der Angst

Seit langer Zeit schon stehe ich vor einem Rätsel. Es scheint, als sich ob der überwiegende Teil der Menschen, die sich mit Edgar Cayce und seinem Werk beschäftigen, auf seine Prophezeiungen konzentriert. Siebzig Prozent der Bücher über ihn haben sie als Schwerpunkt. Die rasante Entwicklung des Internets hat diese Tendenz noch verstärkt. Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Ich fand das schon immer erstaunlich, denn nicht einmal ein Prozent der über 14300 erhaltenen Readings handelt in Abschnitten von im wahrsten Sinne weltbewegenden Prophezeiungen. Zugegeben, es gab mehrere Readings der Kategorie „Weltgeschehen“ (1921-1944). Diese handelten von zum jeweiligen Zeitpunkt stattfindenden und unmittelbar bevorstehenden Ereignissen in Politik, Finanzwelt und Wirtschaft und sollten Lösungen aufzeigen. Die meisten davon gerieten zu inspirierenden Vorträgen über unser Verhältnis zu Gott, Ideale, Mitgefühl, Verantwortungsbewusstsein und Spiritualität.

Doch je weiter eine Frage in die Zukunft wies, desto unpräziser und kryptischer wurden die Antworten. Oft „purzelten“ Aussagen über Erdveränderungen, die heute so viel beachtet werden, während eines Readings zu einem ganz anderen Thema heraus. Wenn es dazu kam, wurde sinngemäß immer darauf hingewiesen, dass man keine Angst vor der Zukunft haben muss, wenn man sein Haus (spirituell und materiell) nicht auf Sand gebaut hat.

Und das ist mein Stichwort: Angst.

Wovor haben wir überhaupt Angst?
Warum blicken die Leute so angstvoll in die Zukunft?
Warum haben Websites, Bücher, Filme mit schrecklichen Zukunftsvisionen so viel Zulauf?
Warum konzentrieren sich viele Menschen eher auf das Negative (Katastrophen, Probleme …) als auf das Positive (Güte, Geborgenheit, Naturschönheit …)?
Warum setzen sie sich der lähmenden Angstenergie aus?

Antwort finden wir vielleicht in dem Buch „Channeling“ von William H.Kautz & Melanie Branon. Dort lese ich unter der Überschrift „Das Erschaffen der eigenen Realität“ die folgende aufschlussreiche Aussage: „Die Beschäftigung mit der Zukunft basiert ursprünglich auf Unsicherheit. Diese wiederum entsteht aus der Angst, daß den Menschen etwas weggenommen werden könnte, etwas, von dem sie glauben, daß sie es zum Überleben, zu ihrer Existenz oder ihrem Glück brauchen – kurz, um ihr Konzept von sich selbst aufrechtzuerhalten. Ihr menschlicher Wunsch zu wissen, was die Zukunft bringen wird, wird stärker als ihr Wille, ihr Leben selbst zu bestimmen, und die Freiheit zu leben, morgen zu entscheiden, vor was sie sich heute fürchten. Daher geben sie bereitwillig ihre Macht an jemand anderen (oder etwas anderes) ab, den sie für eine Autorität halten. Dann werden sie von den Voraussagen eines anderen beherrscht“.

Es scheint, als ob viele Menschen sich ihrer Macht und ihrer Verantwortung gar nicht bewusst sind. Sie scheinen nicht zu erkennen, dass sie ihre Realität unbewusst schon längst selbst erschaffen. Vielleicht, weil sie sich davor fürchten, ihr Leben bewusst selbst in die Hand zu nehmen?

Und so werden sie ein leichtes Opfer im Spiel mit der Angst. Wer nur mal mit dem Begriff „Edgar Cayce Prophezeiungen“ googelt, findet auf Anhieb Links, auf denen die schrecklichsten Prophezeiungen in geballter Form präsentiert werden. Ich glaube, dass die Motivation, solche Seiten überhaupt ins Netz zu stellen oder sie zu kopieren, genau die gleiche ist wie die, solche Seiten zu besuchen: Man hat Angst und sucht Bestätigung bei Gleichgesinnten. Auch der so genannte „Gänsehaut-Effekt“ mag am Rande eine Rolle spielen: Es gruselt sich doch gar zu schön 😉

Wenn ich aber in Blogs und Foren, die solche Angaben gedankenlos übernommen haben, mal die Kommentare lese, dann ist das Gruseln gar nicht mehr so schön. Viele der Kommentatoren lassen sich, so scheint es, von der Angst anstecken. Und während Angst in manchen Situationen hilfreich und nützlich ist, lähmt sie in diesem Fall.

Angst vor der Zukunft kann nämlich tatsächlich bedeuten, dass man sich fremdbestimmen lässt. Man lässt sich beeinflussen von Medien, Politikern, Terrorakten und Gerüchten. Und um all dem irgendwie begegnen zu können, sucht man Rat bei äußeren Quellen: Wahrsagern, Tarotkartenlegern, Hellsehern, usw. Oder man lenkt sich mit so genanntem „intelligenzfreiem Fernsehen“ ab. Man träumt von einer besseren Zukunft, steckt seine Energie aber in Visionen von einer schrecklicheren und sucht Trost bei anderen, statt sich auf seine eigenen, inneren, höheren Quellen zu berufen.

Aber wir brauchen keine Angst haben! Wir sind mächtige Wesen, Schöpfer, die die Zukunft, bewusst oder unbewusst, in jedem Augenblick selber gestalten. Deshalb können Prophezeiungen auch nur Tendenzen aufzeigen. Und je weiter eine Prophezeiung in die Zukunft deutet, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sie genau wie prophezeit stattfindet. Man kann deshalb nicht immer von „falschen“ Prophezeiungen sprechen; ein seriöser Prophet fängt die Schwingungen zum Zeitpunkt seiner Angaben auf. Schwingungen aber verändern sich kontinuierlich. „Das einzige, was sich nie ändert, ist die Tatsache, dass sich alles immer ändert.“ (Gespräche mit Gott, Band 3).

Wie mächtig jeder einzelne von uns ist, zeigt uns auch dieser Auszug aus Reading 311-10, in dem deutlich wird, dass wir mit unserer Gedankenkraft sogar mögliche Erdveränderungen beeinflussen können:

„Es gibt jene Umstände, unter denen durch die Aktivität einzelner, durch ihre Übereinstimmung von Gedanken und Bestreben, häufig so manche Stadt und so manches Land unversehrt bleibt, weil sie die spirituellen Gesetze in ihren Beziehungen zu anderen Menschen anwenden“ (Auszug aus Reading 311-10)

Und in Reading 3976-23 heißt es: „Der Mensch kann nur in sich selbst beginnen. Und wenn er in seinem täglichen Leben sein Wissen, sein Verständnis von Gott anwendet, so wird ihm der nächste Schritt gegeben.“

Licht des Erwachens

Wenn wir also aus dem Spiel mit der Angst aussteigen und uns auf unser höheres Selbst besinnen, können wir selbstbestimmt aktiv werden und die Zukunft – allein und gemeinsam – so gestalten, wie wir das wollen. Aber wir sollten das Jetzt tun, denn das Jetzt umfasst Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Vielleicht erkennen wir dann, „dass die Zeiten, die, aus materieller Sicht geschaut, kommen werden, für die Seele nicht von Bedeutung sind, sondern dass du deine Pflicht HEUTE tun sollst! Das MORGEN wird für sich selbst sorgen.“ (Reading 294-185)

 

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Autor: Cayceportal

Hallo, ich heiße Stefanie Piel und bin Diplom-Übersetzerin für Englisch und Französisch. Ich habe mich dem Werk Edgar Cayces verschrieben. Energiearbeit, Quantenphysik, Epigenetik und die Tatsache, dass wir mit allen und allem verbunden sind, begeistern mich immer wieder. Noch nie zuvor war ich so nahe an meinem wahren Ich dran wie jetzt. Ich möchte Edgar Cayce aus der esoterischen Ecke herausholen und sein Werk, basierend auf den neuesten Erkenntnissen, näher beleuchten.

5 Kommentare zu „Spiel mit der Angst“

  1. „Man hat Angst und sucht die Bestätigung bei Gleichgesinnten“, schreibst du. Ja, das ist oft der Fall, glaube ich.
    Dieser Artikel passt sehr gut zu dem, was ich gerade auf einer viel tieferen Ebene als bisher erlebe: aus dem Spiel der Angst aussteigen – aus diesem Spiel, das fast alle mitspielen, meistens, ohne sich dessen bewusst zu sein.
    Ich stimme Fabio zu – ein schöner Artikel.

    1. Interessant, dass Du das gerade „auf einer viel tieferen Ebene als bisher“ erlebst; ich bin nämlich auch genau da mittendrin. Der erste Schritt ist getan. Ich wünsche Dir von Herzen viel Erfolg beim Aussteigen!
      LG, Stefanie

  2. Auch wieder ein schöner Artikel 🙂 Überhaupt wieder die ausgewählten Zitate aus den Readings.

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