Lasst euer Licht in der Dunkelheit leuchten!

Dunkel ist es in der überfüllten Kirche. Spannung liegt in der Luft. Von draußen ist leise das Knistern des kleinen Feuers im Kohlebecken zu hören. Sein Widerschein flackert geheimnisvoll durch die Fenster, erhellt die Kirche aber kaum. Ein schwacher Duft von Weihrauch weht herein. Dicht an dicht stehen die Menschen. Jeder hält eine Kerze in der Hand, einige davon liebevoll mit österlichen Symbolen selbst dekoriert. Nur ab und zu wird das erwartungsvolle Schweigen von einem Füßescharren unterbrochen.

Jetzt knackt es in den Lautsprechern. Gut vernehmlich ist die Stimme des Priesters zu hören, der mit den Messdienern am Kohlebecken steht. „… Segne dieses neue Feuer, das die Nacht erhellt, und entflamme in uns die Sehnsucht nach dir, dem unvergänglichen Licht, …“ Obwohl ich hier in der Kirche stehe, ist mir, als sei ein Teil von mir dort draußen, dicht dabei. Ich sehe die große neue Osterkerze in der Hand eines Messdieners, verziert mit den traditionellen Symbolen. Jetzt zieht der Priester mit einem Stift die Linien von Kreuz, Buchstaben und Ziffern nach.

„Christus, gestern und heute – Anfang und Ende – Alpha und Omega – Sein ist die Zeit – und die Ewigkeit – Sein ist die Macht und die Herrlichkeit – in alle Ewigkeit. Amen.“

Endlich ist es soweit: Der Priester zündet die Kerze am Feuer an! „Christus ist glorreich auferstanden vom Tod! Sein Licht vertreibe das Dunkel der Herzen!“.

Jetzt ist die Spannung fast unerträglich. Alle schauen zum Eingang. Der Weihrauchduft wird intensiver. Da – es wird heller. Die Osterkerze in der Hand, hat der Priester die Kirche betreten. Er hebt sie empor. „Christus das Licht!“ singt er. Und wir antworten: „Dank sei Gott!“ Jetzt zünden die Messdiener ihre Kerzen an der Osterkerze an. Der Priester geht weiter. In der Mitte der Kirche bleibt er stehen. Wieder singt er: „Christus das Licht!“ Und wieder antworten wir: „Dank sei Gott!“ Und während der Priester weitergeht, bleiben die Messdiener zurück, halten ihre Kerzen den Menschen in den Bänken hin, damit diese ihre eigenen Kerzen daran entzünden können. Als der Priester vorn am Altar steht und zum dritten Mal „Christus das Licht“ singt, erhellen hunderte von flackernden Lichtern die ganze Kirche mit ihrem warmen Schein, und die Antwort: „Dank sei Gott!“ scheint fast wie ein Jubel. Der Priester übergibt die Osterkerze einem Diakon und beginnt, das Osterlob zu singen, mit den wunderschönen, jahrhundertealten Modulationen.

„Frohlocket, ihr Chöre der Engel … preiset den Sieger … Lobsinge du Erde … Siehe, geschwunden ist … das Dunkel … Dies ist die Nacht, in der die leuchtende Säule das Dunkel … vertrieben hat …O wahrhaft selige Nacht, dir allein war es vergönnt, die Stunde zu kennen, in der Christus erstand von den Toten. …O wahrhaft selige Nacht, die Himmel und Erde versöhnt, die Gott und Menschen verbindet! … Geweiht zum Ruhm deines Namens, leuchte die Kerze fort … vermähle ihr Licht mit den Lichtern am Himmel! Sie leuchte, bis der Morgenstern erscheint, jener wahre Morgenstern, der in Ewigkeit nicht untergeht …“

Ich spüre, wie mir die Tränen in die Augen steigen. Jahrelang war ich als Messdienerin hautnah dabei, durfte aus nächster Nähe dieses Mysterium erleben. Viele meiner frühen mystischen Erfahrungen, die mir im Lauf der Zeit den Weg zu neuen und noch tieferen Erkenntnissen gewiesen haben, bauen auf solchen Feiern auf. Die Symbolik dieser Messen ist tief in meinem Herz verankert.

Aber was geschieht mit der Euphorie im Alltag? Da zeigt sich, ob die Hochstimmung der Osternacht Bestand hat. Was bedeutet Auferstehung für unser tägliches Leben? Anselm Grün schreibt dazu in seinem Büchlein „Österlich leben“: „Auferstehung heißt, immer wieder aufzustehen, nicht liegen zu bleiben, wenn wir gefallen sind. … Der Glaube an die Auferstehung … lehrt mich, aufzustehen in das wahre Leben. Auferstehung will mich hier und jetzt schon das Leben lehren.“

Licht und Freude

Und Edgar Cayce macht in Reading 5749-13 daraus eine wunderbare Aufgabe:

„In die Erfahrung der Menschen auf der Erde kommen Zeiten von Zweifel und Angst und des Verlusts der Hoffnung. Dann sollten sie alle sich an jenen Ostermorgen erinnern und an das, was er im Herzen und im Verstand jener bedeutet hat und bedeutet, die auf Jesus, den Christus, vertraut haben und vertrauen. […] Prüft euer Herz und euren Verstand, um Zweifel und Angst abzulegen, um Hass und Bosheit, Neid und jene Dinge abzulegen, die den Menschen irren lassen. […] Meditiert häufig über das, was es bedeutet hat, was es heute bedeutet, den Herrn, euren Gott, in euren täglichen Erfahrungen zu kreuzigen. Preist Ihn, verherrlicht Ihn mit jedem Wort, jeder Tätigkeit, in all euren Handlungen gegenüber euren Mitmenschen. Bringt allein durch eure Schritte, euren Blick, euer Wort, Hoffnung in das Herz, den Verstand und das Leben anderer. […] Denn Er hat euch … die Erlösung der Welt anvertraut, damit ihr Seine Bereitschaft, Seine Fürsorge, Seine Verheißungen bekannt macht, welche die Aktivität jeder einzelnen Seele sein kann. […] Lasst also euer Licht stets in der Dunkelheit, im Licht leuchten; in der Trauer, in der Freude eurer Absichten, eurer Wünsche; damit Er verherrlicht werde. […] Ihr – jeder von euch als Individuum – könnt dies tun.“

Advertisements

Autor: Cayceportal

Hallo, ich heiße Stefanie Piel und bin Diplom-Übersetzerin für Englisch und Französisch. Ich habe mich dem Werk Edgar Cayces verschrieben. Energiearbeit, Quantenphysik, Epigenetik und die Tatsache, dass wir mit allen und allem verbunden sind, begeistern mich immer wieder. Noch nie zuvor war ich so nahe an meinem wahren Ich dran wie jetzt. Ich möchte Edgar Cayce aus der esoterischen Ecke herausholen und sein Werk, basierend auf den neuesten Erkenntnissen, näher beleuchten.

4 Kommentare zu „Lasst euer Licht in der Dunkelheit leuchten!“

  1. Ich finde den oben erwähnten Ansatz von Pater Anselm Grün sehr hilfreich: „Auferstehung heißt, immer wieder aufzustehen, nicht liegen zu bleiben, wenn wir gefallen sind. … Der Glaube an die Auferstehung … lehrt mich, aufzustehen in das wahre Leben. Auferstehung will mich hier und jetzt schon das Leben lehren.“ Immer wieder weiter zu machen und sich neu zu motivieren, auch wenn es schwer ist, das finde ich den richtigen Weg. Denn auch Gott weiß, dass es für uns manchmal schwer ist – aber er honoriert, wenn wir den Mut nicht verlieren. Wer sich auch für die Sichtweisen von Pater Anselm interessiert, hier kann man ihn live erleben http://www.myheimat.de/guenzburg/freizeit/pater-anselm-gruen-die-heilsame-kraft-innerer-bilder-d2508726.html

    1. Liebe Dorothea, vielen Dank für den Link! Pater Anselm gibt uns immer wieder schöne Hilfestellungen. Ja, ich sehe das genauso – es ist oft schwer, sich immer wieder neu zu motivieren, aber wie erhebend, wenn wir es wieder mal „geschafft“ haben.
      Viele Grüße!

  2. Ich habe sehr ähnliche Erinnerungen von meiner Jugendzeit in der kleinen Kirche von Jettenhausen wo ich auch Ministrant war. Viele von uns lieben diese katolische Rituale die ja auf uralte egyptische Usanzen zurückgehen. Ich muss zugeben dass ich die Religion liebe. Heutzutage hat sie einen andern Platz in meinem Leben. Es ist sehr gut dass man eine Religion hat bis sich die Unruhe in der Welt auf eine andere Art gelöst werden kann. Mir gefiel sehr Deine Beschreibung mit all den tiefen Gedanken. Dankeschön!

    1. Gern geschehen, Bert und ich freue mich, dass Dir meine Beschreibung gefallen hat! Ja, die Rituale sind wunderbar, aber auch ich habe mich weiterentwickelt und die Religion nimmt auch bei mir seit langem einen anderen Platz im Leben ein. Religionen sind gut und hilfreich für unser Leben, aber sie dürfen nicht zum Selbstzweck werden, sie dürfen uns nicht einengen. Leider wird das immer wieder versucht und leider bleibt vieles oft an der Oberfläche, statt dass zur inneren Betrachtung angeregt wird. Aber wie Du in einem anderen Kommentar geschrieben hast „Gott suchen draussen ist ein mangelhaftes Streben“ – es funktioniert nicht!

Kommentare sind geschlossen.