Vergeben und vergessen?

Von Peter Woodbury

Heute reise ich zurück nach Virginia Beach. Ich hatte eine weitere tolle Erfahrung in Houston bei einem Vortrag über Edgar Cayce und Hypnose. Fast 100 Leute waren auf der Konferenz und diejenigen, die dabei waren, waren wirklich ganz dabei. Wir hatten eine sehr tiefgehende Diskussion über Vergebung.

© rolffimages - Fotolia.com
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Eine Diskussion über Vergebung beginne ich gerne mit einem Bild von Papst Johannes Paul, der dem Mann, der auf ihn geschossen hatte, die Hand schüttelt. Es ist ein machtvolles Bild. Von meiner katholischen Erziehung ist nicht mehr viel übriggeblieben, doch ich bewundere den Papst für diesen Akt der Vergebung. Und obwohl es ein öffentliches Ereignis war, denke ich, es war gut, dass es ein öffentliches Ereignis war. Es brachte Vergebung auf die Bühne.

Häufig verwechseln wir vergeben mit gestatten. Wir denken, dass wir, wenn wir jemandem vergeben, ihn „entschuldigen“ und auf irgendeine Weise seine Taten sanktionieren. Vielleicht glauben wir, dass wir durch Vergeben den Menschen gestatten, in unserem Leben zu bleiben.

Und hier kommt der Papst ins Spiel. Er ging in das Gefängnis und vergab dem Mann, der auf ihn geschossen hatte. Sie sprachen eine Weile miteinander. Bilder wurden aufgenommen. Dann fuhr der Papst zurück in den Vatikan und der Typ ging in seine Zelle zurück. In seine Zelle zurück. Die Tat des Papstes, der dem Mann vergab, änderte die Folgen der Handlungen des Mannes nicht ein kleines bisschen. Der Papst suchte keine „Entschuldigung“ für den Menschen. Er sagte nicht, „Ich vergebe dir. Nun geh und erschieße noch andere Leute. Vielleicht willst du nochmal auf mich schießen?“

Nein. Nichts davon. Ich vergebe dir und ich vergesse es dann. Auf gewisse Weise vergesse ich dich. Vielleicht bete ich für dich, aber wir bleiben nicht in Kontakt. Der Papst bot ihm keine Stelle im Vatikan an, nachdem er entlassen wurde.

© Lars Tuchel - Fotolia.com
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Der Papst vergab dem Mann, um das traumatische Ereignis loszulassen und sein Leben weiterzuführen. Der Mann hat die Option, die Vergebung anzunehmen oder auch nicht. Er kann darüber nachdenken. Vielleicht wächst er daran. Aber das liegt an ihm. Seht ihr, dieser Mann war gefährlich. Er musste die Folgen seiner Taten tragen. Weder für ihn noch für andere war es gut, wenn er auf freiem Fuß war. Er musste vor sich selbst geschützt werden.

Meistens ändern sich die Menschen aufgrund der Folgen, die sie für ihr Handeln tragen müssen. Wenn wir die Folgen unseres Handelns nicht tragen, ändern wir uns für gewöhnlich nicht. Beim Gesetz des Karma geht es hauptsächlich um ein Ändern durch das Leben aufgrund der Früchte unserer Taten. Wenn wir uns in einer Missbrauchsbeziehung befinden und keine Änderungen vornehmen, schadet das sowohl dem Opfer als auch dem Täter. Tatsächlich ist sie schlecht für beide. Jemanden zu missbrauchen und nicht die Folgen davon zu tragen, hilft keiner Seele bei ihrer Entwicklung. Wenn wir missbraucht werden, müssen wir uns dem stellen und den Täter vor eine Entscheidung stellen. Entweder er ändert sich oder er verliert den Kontakt zu seinem Opfer.

Wie beim Papst. Was er tat, war gut für ihn und für den Mann. Der Mann hatte jetzt die Gelegenheit, den Folgen seiner Tat ins Gesicht zu sehen. Er hatte die Gelegenheit, sich zu ändern. Hätte der Papst versucht, ihn freizubekommen, wäre das schlecht für alle und am schlechtesten für den Mann selbst gewesen.

MotherhoodWir müssen langsam die geistige Haltung erwerben, dass es ein Privileg und kein Recht ist, in unserem Leben zu sein. Wir Menschen müssen das Recht, in unserem Leben zu sein, erwerben und erhalten. Das gilt für jedermann. Es wird komplizierter, wenn man eine Familie hat, besonders bei unseren Kindern. Dies sind besondere Seelenverträge, aber bei erwachsenen Familienmitgliedern finden die Regeln Anwendung.

So wie wir die Menschen in unserem Leben mit Liebe, Sicherheit und Respekt behandeln müssen, tun es auch die Menschen in unserem Leben.

Wie Papst Johannes Paul. Er vergab, lies los, ging nach Hause und schlief in dieser Nacht bestimmt gut.

©Romolo Tavani - Fotolia.com
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Dieser Artikel erschien am 1. April 2015 unter dem Titel „Good bye Houston. I’ll be backauf Peters Website.
Danke Peter, dass ich den Artikel übersetzen durfte!
Peter Woodbury is Hypnotherapeut und Psychotherapeut und setzt den Fokus auf Spiritualität und Glaube als Hilfsmittel für die persönliche Transformation und Befreiung. Seit mehr als 20 Jahren studiert er die Cayce-Readings und hält viele Vorträge über Themen aus dem Cayce-Werk.

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Autor: Cayceportal

Hallo, ich heiße Stefanie Piel und bin Diplom-Übersetzerin für Englisch und Französisch. Ich habe mich dem Werk Edgar Cayces verschrieben. Energiearbeit, Quantenphysik, Epigenetik und die Tatsache, dass wir mit allen und allem verbunden sind, begeistern mich immer wieder. Noch nie zuvor war ich so nahe an meinem wahren Ich dran wie jetzt. Ich möchte Edgar Cayce aus der esoterischen Ecke herausholen und sein Werk, basierend auf den neuesten Erkenntnissen, näher beleuchten.

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