Karma und Gnade

Alles kommt zur rechten Zeit, sagt man. Diesen erhellenden Artikel wollte ich schon lange übersetzen und überhaupt wollte ich Dich nicht so lange auf den nächsten Artikel warten lassen. Doch irgendwie hatte ich eine Blockade. Vielleicht die Arbeit. Vielleicht der Umbruch, in dem ich mich geistig befinde. Wer weiß? Auf jeden Fall beschloss ich gestern, die wunderbaren Worte von Diana Lewis endlich zu übersetzen. Wieso gestern? Weil ich Beschäftigung brauchte und mich zu nichts anderem fähig fühlte. Und während ich übersetzte, stellte ich fest, dass dieser Artikel wunderbar zu meiner gestrigen Situation passte.

Eine „unhaltbare Situation“

©Martin Capek - Fotolia.com
©Martin Capek – Fotolia.com

Ich wartete auf einen Techniker, der bei mir Anschlüsse freischalten sollte. Am Tag zuvor hatte er mich versetzt. Es folgten Anrufe, Vertröstungen, Versprechungen, Warteschleifen usw. Meine Nerven lagen blank. Obwohl ich es doch besser wissen sollte, wehrte ich mich innerlich gegen diese – in meinen Augen – unhaltbare Situation. Kein Internet, keine Telefonie – und das mitten in der Woche, wenn die Aufträge eigentlich eintrudeln und ich mehr als genug zu tun haben sollte!

Doch durch die Übersetzung dieses wunderbaren Artikels wurde mir einiges klar. Ich wurde entspannter und dachte über Dianas Ausführungen nach.

Kann ich das Gesetz des Karmas aushebeln …

… und durch das Gesetz der Gnade ersetzen? Oh ja, das kann ich. Und weißt Du was? Witzigerweise kamen genau gestern nur Miniaufträge rein, die ich sowieso nicht angenommen hätte. So, als wollte das Universum (= Gott) sagen: „Hey, bleib locker, wenn du wieder voll online bist, sende ich dir wieder was Richtiges. Jetzt lerne erstmal deine Lektion, ok?“ Und ein paar Minuten, nachdem dieser Artikel fertig übersetzt war, kam der Anruf vom Techniker: „Bin in fünf Minuten da!“ Das war er dann auch, ein supernetter, hilfsbereiter Mensch; und innerhalb kürzester Zeit lief alles wieder wie am Schnürchen. Und heute kamen auch wieder attraktivere Aufträge. Tja, was soll man dazu sagen? Viel Spaß beim Lesen!

Karma und Gnade
Von Diana S. Lewis

Das aktuelle Studienthema in unserer „Suche nach Gott“-Studiengruppe ist „Karma und Gnade“. Eine Frage stellte sich immer wieder zur Gnade – wenn das Gesetz des Karmas wirkt, wo kommt da die Gnade ins Spiel? Zum Beispiel schrieb eine 42-jährige Lehrerin einen Brief an Edgar Cayce bezüglich ihres Lebensreadings 3282-1:

Design: Carina Leithold, www.mandala-zauber.de
Design: Carina Leithold, http://www.mandala-zauber.de

„Mich interessierte Ihre Erklärung, dass mein Reading recht ungewöhnlich ist. Das Reading war auch höchst interessant. Ich war besonders froh über die Versicherung, dass ich nicht viel negatives Karma angehäuft habe, das aufgelöst werden müsste. Wie sich allerdings das Gesetz des Karmas mit dem Gesetz der Gnade vereinbaren lässt, ist mir immer noch ein Rätsel. Wie ich das Gesetz der Gnade verstehe, kann man durch sein Vertrauen auf Christus die Folgen einer Sünde vermeiden, oder mit anderen Worten, muss man nicht gemäß dem karmischen Gesetz leiden. Wenn Jesus nicht kam, um das Gesetz aufzuheben, wie wurde es dann durch das Gesetz der Gnade ersetzt? Ich bin nicht so sicher, ob ich weiß, was das Gesetz der Gnade ist.“ (Bericht zu Reading 3282-1)

In Mr. Cayces diesbezüglichen Readings können wir Folgendes lesen:

„Es ist eine Tatsache, dass eine Lebenserfahrung die Manifestation des Göttlichen ist. Und der Verstand einer Wesenheit ist der Erbauer. Wenn sich also die Wesenheit darauf ausrichtet, etwas zu tun oder zu vollbringen, was von schöpferischem Einfluss oder schöpferischer Kraft ist, fällt sie unter die Auslegung des Gesetzes zwischen Karma und Gnade. Dann ist die Wesenheit nicht mehr dem Gesetz von Ursache und Wirkung beziehungsweise Karma unterworfen, sondern sie kann in Gnade zum höheren Ruf übergehen, der in Ihm [Gott] begründet ist.“ (Edgar Cayce in Reading 2800-2)

„…Eben dieser Einfluss, der von einigen Schülern als Karma bezeichnet wird. Dies ist das Naturgesetz, ja. Aber es gibt das Gesetz der Gnade, der Barmherzigkeit. Und dieses ist ebenso anwendbar wie das Gesetz des Karmas, abhängig von dem Gewicht beziehungsweise der Bedeutung, das oder die verschiedenen Dingen beigemessen wird.“ (Edgar Cayce in Reading 2727-1)

Eines Abends bat ich vor dem Schlafengehen um die Antwort. Dies war der Traum, den ich hatte:

Da war ein Gefängniswärter. Er nahm einen Gefangenen und brachte ihn in eine Zelle, die aus ein Meter dicken Betonwänden bestand. Der Gefangene, ein heiliger Mann, ging sofort zum einzigen Fenster. Das Fenster hatte stabile Eisenstangen, doch der heilige Mann konnte die Stangen ganz einfach mit seiner Hand beiseite schieben. Er wusste, dass er die Wahl hatte, sich jederzeit ganz nach Wunsch aus seiner Zelle zu befreien. Der Gefängniswärter, der ihn in die Zelle gebracht hatte, kam sofort herüber, um die Stangen am Fenster zu überprüfen, aber für ihn bewegten sie sich nicht und waren unüberwindbar. Im zweiten Teil des Traums bewegte der heilige Mann die Stangen seiner Zelle zur Seite und ging einfach aus der Zelle heraus. Er rannte nicht aus der Zelle weg.

Die Realität der Gnade

Ich interpretierte den Traum so, dass er eine Illustration des Gesetzes des Karmas und der Realität der Gnade war. Die Gefängniszelle ist das Gesetz des Karmas. Sie ist festgesetzt, „festbetoniert“, und für das ungeübte physische Auge ist sie Realität. Und für den Gefängniswärter, der sie nur als solches wahrnehmen kann, ist sie seine Realität. Der heilige Mann wiederum weiß, was diese Zelle wirklich ist. Die Zelle ist nur eine Gelegenheit, die Lektionen zu lernen, für die er hierher gekommen ist. Und er weiß, dass er sich entschied, zu kommen und zu seinem eigenen Nutzen zu dieser Zeit an diesem Ort zu sein. Daher ist er frei von dieser Situation, denn er wählte die Situation freiwillig und kann sie jederzeit, wann immer er will, verlassen.

©Romolo Tavani - Fotolia.com
©Romolo Tavani – Fotolia.com

Gnade ist das Wissen, dass wir dies wählen und dass wir gehen können, wenn wir wollen. Als der heilige Mann daher einfach aus der Zelle heraus ging, sich jedoch entschied, zu bleiben und nicht fortzurennen, nahm er sein Karma an. Er war im Frieden, denn er konnte es von einem anderen Blickwinkel aus sehen. Auch die Fähigkeit, Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, ist das Ergebnis von Gnade. Karma ist das physische Gesetz. Gnade ist die spirituelle Realität! Also ist Gnade die absolute Realität!

Unsere Situation als Sprungbrett zum Erwachen

Ich schrieb mir eine Anmerkung auf: Wann müssen wir uns also fragen, was Realität ist? Ist Realität das physische Karma, mit dem wir Tag für Tag umgehen müssen, oder ist Realität die Fähigkeit, unsere jeweilige Situation als Sprungbrett auf dem Weg zum Erwachen zu betrachten? Denken Sie darüber nach – Wahrnehmung ist alles. Wenn wir einer Situation mit positiven Gedanken, mit Blick auf Gott, begegnen, machen wir uns frei von Zweifel, Angst und Sorge. Diese Freiheit ist ein direktes Ergebnis daraus, dass wir uns in einem Zustand der Gnade befinden. Und so macht Gnade uns frei. Diese Freiheit schenkt uns Frieden, sodass wir wirklich entspannt sein können, selbst während wir an unserem Karma arbeiten.

© Maridav - Fotolia.com
© Maridav – Fotolia.com

Auszug aus dem Newsletter für A.R.E-Mitglieder, Ausgabe Frühling 2016.
Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der A.R.E.
© der Übersetzung 2016 bis ~: Stefanie Piel

Diana LewisDiana Lewis kam schon früh mit dem Werk von Edgar Cayce, der A.R.E. und den Studiengruppen „Suche nach Gott“ in Kontakt, als sie noch als Jugendliche ihre Eltern zu ihrer Studiengruppe begleitete. Nach ihrem Abschluss an der Virginia Commonwealth University und Krankenpflegeschule heiratete sie und bekam zwei Kinder. Ihre derzeitige Studiengruppe „Suche nach Gott“ befindet sich derzeit in Falls Church, Virginia, und sie lebt und arbeitet als Krankenschwester in Fairfax, Virginia.

Hier geht es zum Originalartikel

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Autor: Cayceportal

Hallo, ich heiße Stefanie Piel und bin Diplom-Übersetzerin für Englisch und Französisch. Ich habe mich dem Werk Edgar Cayces verschrieben. Energiearbeit, Quantenphysik, Epigenetik und die Tatsache, dass wir mit allen und allem verbunden sind, begeistern mich immer wieder. Noch nie zuvor war ich so nahe an meinem wahren Ich dran wie jetzt. Ich möchte Edgar Cayce aus der esoterischen Ecke herausholen und sein Werk, basierend auf den neuesten Erkenntnissen, näher beleuchten.

2 Kommentare zu „Karma und Gnade“

  1. Hallo Stefanie,
    ich hab mal grad eine Textstelle aus einem Buch herausgesucht (das ich dir vor längerer Zeit mal empfohlen hatte :)). Darin steht auch eine sehr schöne Erklärung zum ‚harten Gesetz‘ von Ursache und Wirkung, sprich Karma und dem Gesetz der Gnade:

    „Wenn jedoch ein Mensch oder eine Menschengruppe den falschen Weg geht beziehungsweise gegangen ist, und sie wollen umkehren, weil sie sich nun vom Wahren überzeugt haben, dann müssten sie, nach dem Gesetz (von) Ursache und Wirkung, zunächst bis zu der Stelle zurückgehen, an der sie den rechten, den göttlichen Weg verlassen haben. Das heißt, wenn jemand zum Beispiel zwanzig Jahre lang, aufgrund der Verlockungen und Verleitungen der bösen Seite, das Unrechte geglaubt und getan hat, dann muss er – trotz seines jetzigen guten Willens – genauso lange, also wiederum zwanzig Jahre, bis zur damaligen Weggabelung zurückgehen, um dann erst den richtigen Weg beschreiten zu können. Das verlangt also das harte Gesetz, solange das Wirken der geistigen Liebe, die erst das Vergeben und Vergessen ermöglicht, noch nicht aktiv ist. Durch die Lehre Christi jedoch, die wir einst alle in die Tat umsetzen müssen, geht das Abtragen von Schuld viel, viel schneller. Ja, es kann, wenn ein Mensch wirklich loslässt, schon im nächsten Augenblick geschehen. Das aber ist geistige Heilung und immer Gnade Gottes! Ahnen Sie nun, was Christus wirklich für die Menschen getan hat, und was Er für uns alle, ja, für die ganze Welt bedeutet?“ (Alfred Hosp, „Kräfte des Geistes“, Eigenverlag, S. 190)

    1. Hallo Fabio, ja, das ist ein schöner und sehr wahrer Text! Wir haben es in der Hand, das Gesetz der Gnade wirksam werden zu lassen. Jeden Tag haben wir die Wahl.
      Liebe Grüße!
      Stefanie

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