Bin ich klüger als andere?

Geht es Dir auch manchmal so? Da sitzt Du, nichts Böses ahnend, mit lieben Bekannten zusammen und Ihr philosophiert ein bisschen herum, und plötzlich bekommst Du aus heiterem Himmel eine verbale Ohrfeige. Du weißt nicht, wie Dir geschieht und wie Du auf die Schnelle reagieren sollst. Also betreibst Du Schadensbegrenzung und lässt Dir nicht anmerken, wie sehr Dich diese Aussage getroffen hat.

Der Auslöser: Facebook

©Norbert Vollmert aboutpixel.de
©Norbert Vollmert aboutpixel.de

So ging es mir vor einigen Tagen. Im konkreten Fall ging es um Facebook und wie oft man sich dort rumtummelt. Aus heiterem Himmel kam mein Gesprächspartner auf Beiträge, die ich bei Facebook teile und oft mit eigenen Kommentaren versehe. Er warf mir vor: „Du glaubst, du bist klüger als andere.“ Meine Reaktion (völlig überrumpelt): „Okay.“ Mein Gegenüber: „Dabei gibt es tausend Leute, die klüger sind als du“. Meine Reaktion: „Ja sicher.“ Und dann folgte noch der aufschlussreiche Satz: „Ich würde mich das ja gar nicht trauen.“ Daraufhin zuckte ich nur die Schultern.

Die Analyse

Auf dem Weg nach Hause wünschte ich, ich wäre schlagfertiger gewesen. Und ich dachte an den ach so treffenden Satz:

Schlagfertigkeit ist das, was einem nach der Rede auf dem Nachhauseweg einfällt.

Wer auch immer das gesagt hat, wusste, wovon er sprach, denn mir fiel da so einiges ein!

Analysieren wir das Ganze. Die einfache Äußerung war:

  1. Du glaubst, du bist klüger als andere.

Stimmt. Ich bin fest davon überzeugt, dass ich klüger als andere bin. Es gibt viele Menschen, die weniger klug sind als ich.

  1. Dabei gibt es tausend Leute, die klüger sind als du.

Stimmt auch. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, es gibt Millionen, wenn nicht gar Milliarden von Menschen, die sehr viel klüger sind als ich. Manchmal kann ich recht begriffsstutzig sein und in vielen Dingen bin ich eine glatte Niete. Ja und? Jeder ist auf seinem Gebiet ein As.

Was Besseres sein

Nun ist es ja immer so, dass man die Aussagen anderer anhand der eigenen Erfahrungen und Gedanken ausdeutet. Mein Bekannter hatte aus meinen Äußerungen bei Facebook geschlossen, ich würde mich für klüger als andere halten. Ich wiederum hatte aus seiner Kritik herausgehört: „Du glaubst, du bist etwas Besseres“, „Du bist ganz schön überheblich“, und dass er mir diesen Zahn ziehen wollte.

©Trueffelpix - Fotolia.com
©Trueffelpix – Fotolia.com

Darf jemand von sich behaupten, er sei etwas Besseres als andere? Auf keinen Fall. Jeder Mensch ist ein Teil des Göttlichen und trägt es in sich. Ich würde mir das – bewusst – niemals anmaßen, selbst wenn ich in einer Person nicht viel Göttliches erkennen kann. Deshalb versuche ich – bewusst – immer, mein Gegenüber zu achten und halte mich allein schon deshalb mit Kritik schwer zurück. Das führt mitunter dazu, dass ich in vielen Situationen lieber schweige. Bei manchen Menschen fällt es mir sehr schwer, nicht zu kritisieren, denn es gibt so einige Typen, die ich am liebsten auf den Mond schießen würde (mir fallen da spontan so einige ein …).  Nur zu oft gelingt mir diese Zurückhaltung leider nicht. Daran arbeite ich. Ach, es gibt so viele Baustellen …

Davon abgesehen bin ich aufgrund meiner Beschäftigung mit Edgar Cayces Aussagen davon überzeugt, dass niemand jemand anderen ändern kann und dass das auch niemandem zusteht. Änderung kann immer nur von uns selbst ausgehen.

Fehler suchen (und finden)

ChangeMir tat die Kritik sehr weh. Warum? Weil ein Mensch, den ich herzlich gern habe, dem ich vertraue und von dem ich unendlich viel lernen kann, mich auch nach Jahren so wenig kennt, dass er – in meinen Augen – ungerechtfertigte Kritik übte. Und dass er sie auf so harte Weise äußerte. Es dauerte Tage, bis ich mir überlegte: Vielleicht bearbeitet er ein eigenes Thema?

Auch erinnerte ich mich an einen Abschnitt im Buch „Wie unser Leben funktioniert“. Darin heißt es unter anderem:

Jeder kann Fehler suchen. Doch ein weiser Mensch findet Wege, andere in den Wirrungen und Problemen des Lebens zu ermutigen. Ein Lächeln, ein Lob, eine Hoffnung, das Weitergeben eines erhebenden Gedankens oder auch ein bisschen Humor sind großartige Alternativen zum Fehlersuchen. Wenn wir diesen Empfehlungen folgen, wenden wir das Gesetz „Gleiches bringt Gleiches hervor“ auf ganz andere Weise an und schaffen in unserem Leben lohnenswerte Ergebnisse. …

Wenn wir versucht sind, Fehler zu suchen, können wir dieses Konzept aus den Readings betrachten: Jeder von uns hat seinen Platz. Wie Bäume kommen wir in einer großen Vielfalt hier auf die Welt, doch wir alle haben unseren Platz. Die eine Person ist vielleicht eine Kiefer und Sie sind möglicherweise eine Eiche. Daher können Sie nicht erwarten, dass jemand wie Sie, die Eiche, ist oder handelt. Die Menschen sind allesamt unterschiedlich – Gott segne sie. Lassen Sie jedem seinen eigenen Weg – Sie gehen den Ihren! …

An die eigene Brust klopfen

Nun nehme ich Kritik sehr ernst. Denn in jeder Kritik – so ungerechtfertigt sie zunächst auch scheinen mag – ist durchaus ein Körnchen Wahrheit enthalten. Das hören wir allerdings nur sehr ungern!

Was ist nun dran an der Kritik? Darüber habe ich letzten Samstag lange meditiert. Vieles läuft da unbewusst, unwillkürlich ab. Doch ich muss mir eingestehen: Manchmal bin ich überheblich, und das nicht nur in Gedanken. 😦

img_1501Auch ich kann oft verletzend offen sein und bin mir dann über den Schaden, den ich da bei anderen anrichte, nicht im Klaren (im schlimmsten Fall ist er mir egal). Ich neige dazu, im Gespräch manche Dinge zweimal zu erklären, um sicher zu sein, dass mein Gegenüber sie auch wirklich verstanden hat. Und wenn ich in einer boshaften Stimmung bin, dann lasse ich manche Menschen durchaus spüren, dass ich klüger bin als sie. Im Nachhinein tut es mir immer leid. Ich habe Menschen verletzt. Da fehlt es bei mir noch stark an Achtsamkeit.

Und so trifft Edgar Cayces Aussage – leider – auch auf mich zu:

Du fällst Urteile über andere. Mit welchem Maß misst du deinen Bruder? Mit dem von Gottes Liebe für dich?“ (Reading 3660-1)

Urteile nicht!

Wellness 2Deshalb lag mein Bekannter durchaus nicht ganz falsch mit seiner Aussage. (Kennt er mich vielleicht doch besser, als ich meinte?) Mein Thema ist zwar ein anderes als seins. Er meint, man müsse das Ego überwinden. Ich bin froh, dass ich immer mehr Selbstsicherheit gewinne und halte das Ego durchaus für etwas Nützliches – nur darf es mich eben nicht beherrschen. Eines Tages werde ich es nicht mehr brauchen und kann es transzendieren. Und wenn es soweit ist, wird es auch geschehen.

Jeder von uns hat halt andere Erfahrungen im Leben gemacht. Doch vielleicht ist die Aufgabe dieselbe: „Urteile nicht, damit du nicht verurteilt wirst!“ Frei nach dem Universellen Gesetz: „Gleiches zieht Gleiches an.“

Frieden gefunden

Die Meditation tat mir gut. Auch das Wissen, wieder einige Erkenntnisse über mich selbst gewonnen zu haben. Ich hatte meinen Frieden wiedergefunden und wurde gelassener. Dazu hat auch ein Gespräch mit meiner besten Freundin entscheidend beigetragen.

Und letzten Dienstag hatten mein Bekannter und ich ein befreiendes Gespräch. Wie gut, dass man miteinander sprechen und sich dann umarmen kann!

Bleibe immer Du selbst

Bei aller Erkenntnis ist eins wichtig: Bleibe immer Du selbst! Versuch es wenigstens. Auch wenn andere Fehler in Dir sehen, Dich kritisieren oder Deinen Charakter in Frage stellen. Es kommt nicht darauf an, was die anderen von Dir denken. Es kommt darauf an, was DU von Dir denkst. Und dass Du weißt: Gott liebt dich genau so, wie du bist. Mit all Deinen Fehlern. Mit all Deinen Stärken. An Deinen Fehlern kannst Du arbeiten. Deine Stärken kannst Du nutzen.

Daran werde ich in den nächsten Monaten arbeiten. Und ich werde dabei an den Satz von Ralph Waldo Emerson denken:

Du selbst zu sein in einer Welt, die dich ständig anders haben will,
ist die größte Errungenschaft.

© Maridav - Fotolia.com
© Maridav – Fotolia.com
Advertisements

Autor: Cayceportal

Hallo, ich heiße Stefanie Piel und bin Diplom-Übersetzerin für Englisch und Französisch. Ich habe mich dem Werk Edgar Cayces verschrieben. Energiearbeit, Quantenphysik, Epigenetik und die Tatsache, dass wir mit allen und allem verbunden sind, begeistern mich immer wieder. Noch nie zuvor war ich so nahe an meinem wahren Ich dran wie jetzt. Ich möchte Edgar Cayce aus der esoterischen Ecke herausholen und sein Werk, basierend auf den neuesten Erkenntnissen, näher beleuchten.

4 Kommentare zu „Bin ich klüger als andere?“

  1. Ein starker Artikel. Sehr persönlich, und ich find ihn klasse geschrieben. 🙂
    Liebe Grüße, Meike
    PS: Ich war schon so lange wieder nicht auf WordPress. Hab gerade erst deinen Kommi auf meiner Seite entdeckt. Danke dafür. 🙂

    1. Oh, danke, Meike, Deine Meinung bedeutet mir sehr viel! Ja, ich habe lange überlegt, ob ich ihn wirklich einstellen soll, aber warum sollte ich mich und meine Gefühle weiterhin verstecken?
      Mit dem Kommentar: Gern geschehen! Ich freue mich schon sehr darauf, was Du einmal von Deinen Erfahrungen im Garten erzählen wirst …

  2. Denke auch an die Worte von Dale Carnegies Regel Nr. 1: Ungerechte Kritik ist oft ein verkapptes Kompliment (höre ich hier Neid Deines Gegenübers auf bestimmte Deiner Eigenschaften heraus?)

Kommentare sind geschlossen.