Die Fehler der anderen

Berlin, 19. Dezember 2016, kurz nach 20 Uhr: Ein LKW fährt in die Menschenmenge auf einem Berliner Weihnachtsmarkt. Entsetzen, Trauer, Schuldzuweisungen häufen sich im Minutentakt. Und wieder wird mit dem Finger auf andere gezeigt, der Kopf weise geschüttelt ob der Gewissenlosigkeit von „Menschen, die so etwas tun“.

Splitter und Balken

©Norbert Vollmert aboutpixel.de
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Das ist mein Aufhänger. In diesem Jahr, in den letzten Jahren, ist so viel passiert, was Schuldzuweisungen einfach macht, die Selbstgerechtigkeit Blüten treiben lässt und die eigenen Fehler übertüncht. Der Ruf nach „Gerechtigkeit“ wird laut. Doch ist uns eigentlich aufgefallen, dass bei all dem durchaus „Gerechtigkeit“ stattfindet? Vielleicht nicht so, wie wir sie auffassen und es gerne hätten. Doch die übergeordneten Gesetze, nach denen unser Leben funktioniert, die wirken. Immer. Für Einzelpersonen. Für Gruppen. Für Völker. Und wir täten gut daran, uns das öfter mal klarzumachen.

Mein Beitrag zur Adventszeit soll von den Fehlern handeln, die wir in anderen sehen. Ich hatte in diesem Jahr so einige Erlebnisse, die einen solchen Artikel nahelegen, und das Ereignis von Berlin passt – zugegebenermaßen auf drastische Weise – in die gleiche Ecke. Jesus der Christus, das Licht der Welt, der große Meister, Bruder und Helfer hat das Thema überdeutlich auf den Punkt gebracht:

Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen. Mt 7,3-5

Und auch Edgar Cayce äußert sich ganz klar:

„Dies ist die erste Lektion, die du lernen solltest: Es gibt so viel Gutes im Schlimmsten von uns, und so viel Schlechtes im Besten von uns, dass es niemandem von uns zukommt, schlecht von den anderen zu denken. Dies ist ein Universelles Gesetz, und erst wenn man beginnt, dieses anzuwenden, wird man in der spirituellen oder seelischen Entwicklung weiterkommen. Denn was wir sind, spricht so laut für sich, dass andere nur selten hören, was wir zu sagen haben.“ (Reading 3063-1)

©Martin Capek - Fotolia.com
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Warum ärgert uns ein scheinbares Fehlverhalten von anderen? Weil es im Grunde ein Fehler ist, der in uns selbst liegt und der uns – meist sogar unbewusst – doch an uns selbst nervt. Oder den wir uns nicht eingestehen wollen. Denn Innenschau zu halten, das ist unangenehm und will geübt sein. Und unangenehmen Dingen gehen wir nur allzu gern aus dem Weg …

Gute Welt, böse Welt

earthe_01Wie wäre es denn, wenn wir mal mit dem Kopfschütteln und dem Fingerzeigen aufhören und die Menschen, die Welt, wertfrei so sehen, wie sie nun einmal sind? Jetzt sagst du „Nun, ich sehe eine böse Welt, eine schlechte Welt, eine Welt mit korrupten Politikern und gemeinen Terroristen, eine Welt, die mich belügt und betrügt, die mich auslaugt und mich zwingt, Dinge zu tun, die ich nicht tun will.“ Und so weiter. Oder du sagst vielleicht: „Ich sehe eine schöne Welt, eine Welt der Natur, der Liebe, ich sehe Menschen, die sich wirklich engagieren, die sich bemühen und es schaffen, anderen Freude zu bringen, ich sehe, dass wir immer mehr gewahr werden, was um uns herum passiert und dass wir das mit der richtigen Einstellung ändern können.“ Und so weiter.

Hey, Augenblick! Ich sagte „wertfrei“. Wenn du die Welt wertfrei siehst, erkennst du, dass sie weder gut noch schlecht ist. Sie wird erst gut oder schlecht, wenn wir das, was ist und was geschieht, nach unseren Wertmaßstäben be- und verurteilen. Nur: Deine Wertmaßstäbe sind nicht meine. Auch wenn es vielleicht sehr viele Überschneidungen geben mag. Eine liebe Freundin sagte mir kürzlich: „Gott hat mir den Verstand gegeben, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.“ Aber wer bittschön bestimmt, was gut und was böse ist? Du? Die Gesellschaft? Welche Gesellschaft in welchem Land? Der Papst? Der Pastor? Dein spiritueller Lehrer? Der Mullah? Der Imam? Der Dalai Lama? Scientology? Der IS? Oder glaubst du, du bist der/die einzige, dem/der Gott den entsprechenden Verstand gegeben hat?

Nee nee nee, sooo einfach ist das nicht! Und es bringt überhaupt nichts, darauf zu warten, dass andere etwas tun, was (nach unseren Wertmaßstäben) „gut und richtig“ ist. Und während wir warten, uns kräftig zu bedauern und weiter mit dem Finger auf andere zu zeigen …

Auf uns kommt es an

MotherhoodNein, es hilft alles nichts: Wir allein stehen in der Verantwortung. Wenn wir wollen, dass die Welt friedlicher wird, dass weniger Attentate und Kriege geschehen, dass keiner hungern muss, dann müssen wir aufhören, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Dann müssen wir bei uns selbst anfangen und nirgendwo sonst. Sonst wird das mit der besseren Welt nämlich noch lange nichts!

Niemand verlangt von uns, alles hinzunehmen und uns in der Opferrolle zu suhlen. Das wäre sogar grundverkehrt – für unsere eigene Entwicklung, aber auch für die Welt, wie sie heute ist. Nein, wir müssen bewusster werden, feinfühliger. Dann können wir die Dinge, so wie sie sind, annehmen und Schritt für Schritt ändern. Dann sind wir keine Opfer mehr, sondern echte Macher.

Doch dazu müssen wir in den sauren Apfel beißen und uns der unangenehmen Innenschau stellen. Oder Außenschau? Geht es vielleicht auch so? Edgar Cayce hält da einen patenten Rat bereit:

Frage: Wie kann ich lernen, mich selbst so kennen zu lernen, wie andere mich kennen?

Antwort: Indem du wortwörtlich beiseite trittst und dich selbst vorübergehen siehst, als ob du ein unbeteiligter Zeuge wärst, der sein eigenes Verhalten beobachtet!
Reading 262-9

Ins Tun kommen

© styleuneed - Fotolia.com
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Und dann? Ja, dann sollten wir handeln. Vielleicht nicht auf jede Provokation reagieren. Auch mal einstecken statt gleich zurückzuschlagen. Aufhören, über andere zu lästern. Klatsch und Tratsch den Rücken kehren. Keine Energie in Trauer, Wut, Angst und Fassungslosigkeit stecken. Mal nicht schimpfen. Anderen ein Lächeln schenken, obwohl uns gerade so gar nicht danach ist. Uns an den kleinen Dingen des Lebens freuen. Dankbar sein für das, was wir haben, mag es auch noch so wenig sein. Die Augen schließen und den Vögeln lauschen. Vielleicht mal ein paar Wochen den Fernseher und das Radio ausgeschaltet lassen und das Smartphone nur zum Telefonieren nutzen. Schöngeistige Literatur und aufbauende Bücher lesen. In sozialen Medien nur posten oder teilen, was aufbauend und ermutigend ist. Uns mit der göttlichen Quelle verbinden und öfter meditieren und beten. Geduld üben, auch wenn wir am liebsten aus der Haut fahren wollen!

Ob das klappt? Jetzt gleich? Wollen wir noch heute damit anfangen? Verschieben wir es nicht ins nächste Jahr! Jetzt ist die Zeit. Im Jetzt liegt, wie Eckhart Tolle sagt, die „Kraft der Gegenwart“.

Teil der Gemeinschaft

©crazymedia - Fotolia.com
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Und weißt du, was das Beste daran ist? Wir sind nicht allein. Auf der ganzen Welt gibt es unglaublich viele Menschen, die in Gedanken, Worten und Werken daran wirken, dass diese Welt ein schönerer Ort zum Leben wird. Wer weiß, wie es ohne diese vielen Menschen bei uns aussehen würde? Wäre es nicht beglückend, Teil einer solchen Gemeinschaft zu sein? Wollen wir uns ganz bewusst geistig mit ihnen verbinden? Du weißt doch: Viele kleine Menschen, die viele kleine Schritte tun …

Herzlichst Deine
Stefanie

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Autor: Cayceportal

Hallo, ich heiße Stefanie Piel und bin Diplom-Übersetzerin für Englisch und Französisch. Ich habe mich dem Werk Edgar Cayces verschrieben. Energiearbeit, Quantenphysik, Epigenetik und die Tatsache, dass wir mit allen und allem verbunden sind, begeistern mich immer wieder. Noch nie zuvor war ich so nahe an meinem wahren Ich dran wie jetzt. Ich möchte Edgar Cayce aus der esoterischen Ecke herausholen und sein Werk, basierend auf den neuesten Erkenntnissen, näher beleuchten.