Opfer oder Macher?

Na, bist Du gut ins neue Jahr gekommen? Viele tolle Vorsätze gefasst und wild entschlossen, sie endlich umzusetzen? Überall wimmelt es ja jetzt von guten Vorschlägen, astrologischen Aspekten und so weiter. Aha, also wenn ich die Gelegenheiten, die mir die Sterne zurzeit bieten, wahrnehme, kann ja gar nichts schiefgehen! Oder?

©Kikkerdirk- Fotolia.com
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Ich selbst habe die Zeit zwischen den Jahren, die so genannten „Raunächte“, sehr entspannt verbracht. Den Weg für das Neue vorbereitet? Naja, wohl eher indirekt. Gute Vorsätze? Nicht mit mir. Doch wenn ich, wie jetzt geschehen, einfach mal nur loslasse, schaue, betrachte, also schlicht mal „rumlungere“, da melden sich bei mir mitunter schon interessante Einsichten. Entscheidungen, wie es weitergehen soll, die waren allerdings schon im Oktober getroffen. Die Zeit musste nur reif werden. Und so ein Jahresanfang ist für einen Neubeginn gar nicht schlecht.

Die Opferrolle

Da gibt es aber auch Leute, die sind in diesem Jahr genauso hängerig wie im letzten. Als ich kürzlich meinen Nachbarn fragte, ob er gut ins neue Jahr gekommen sei, antwortete er mit einer Leidensbittermiene: „Naja, s’iss im neuen Jahr alles wie im alten, ne? Nix verändert. Iss halt so.“

Irgendwie tat er mir leid, denn er ist ein wirklich freundlicher Mensch, großzügig, offen, ehrlich. Aber seine ganze Natur ist auf die Opferrolle ausgerichtet. Entsprechend hat er viel zu jammern. Ja nu, Gedanken sind Dinge, du erntest, was du säst, Gleiches zieht Gleiches an, kennen wir ja alles, nicht wahr?

Nimmst Du an oder nimmst Du hin?

Mir kommen in dem Zusammenhang immer die Wörter „annehmen“ und „hinnehmen“ in den Sinn. Ich kenne Leute, die diese Begriffe gleichsetzen. Dabei ist da ein Riesenunterschied! Oder nicht? Ich kann zum Beispiel die kalte Suppe, die der Kellner mir bringt und die eigentlich heiß sein sollte, ergeben und mit Widerwillen in mich reinlöffeln, weil ich zu schüchtern bin, um den Kellner darauf aufmerksam zu machen. Oder ich nehme die Situation an und schreite (lieb, nett und vielleicht sogar mit Humor) zur Tat, versuche entweder, der kalten Suppe etwas Gutes abzugewinnen oder überwinde meine Schüchternheit und mache den Kellner freundlich darauf aufmerksam.

In dem einen Fall bin ich das Opfer und kann mir was drauf einbilden, so „nett“ zu sein und dem Kellner nichts zu sagen. (Innerlich bin ich doch sauer, dass ich mich dazu verdammt habe, diese blöde Suppe auszulöffeln, nur, weil ich nichts gesagt habe!) Im anderen Fall bin ich die Macherin und habe endlos Möglichkeiten, etwas zu tun. (Damit tue ich nicht nur mir etwas Gutes, sondern vielleicht sogar auch dem Kellner?)

Spirituelle Weiterentwicklung

© Lars Tuchel - Fotolia.com
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Edgar Cayce betonte in seinen Readings immer wieder, dass die schwierigen Dinge im Leben uns Gelegenheiten für unsere spirituelle Weiterentwicklung bieten und uns näher zu Gott bringen können. Doch dazu muss ich die schwierigen Dinge annehmen, ich meine, sie nicht als Stolperstein, sondern als Sprungbrett betrachten. (Reading 1424-2) Sie sind, wie sie sind – okay. Wenn ich sie jetzt hinnehme, mich sozusagen damit abfinde und passiv bleibe, mich selbst bedaure und mich im Inneren doch dagegen auflehne, nehme ich die mir gebotene Gelegenheit zur spirituellen Weiterentwicklung dann wahr? Wohl eher nicht. Wenn ich sie aber annehme, wenn ich mir klar mache: „Gut, ich bin jetzt in dieser Situation. Wie kann sie mir nützen?“, dann kann ich aktiv werden. Lösungen finden, die mir und allen Beteiligten gerecht werden.

„Gelegenheit ist abhängig davon, wie sie genutzt wird. Jede Erfahrung und jeder Umstand ist eine nützliche Erfahrung und zeigt sich entweder als Stolperstein oder als Sprungbrett.“ #EdgarCayce in Reading 1424-2

Kathy L. Callahan, Ph.D., die sich seit 40 Jahren mit den Readings beschäftigt, sagte einmal zu mir:

„Wenn uns schwierige Dinge im Leben widerfahren, müssen wir uns daran erinnern, dass es unsere Reaktion auf diese Schwierigkeiten ist, die unsere Grenzen festlegt. Wenn wir aus einer göttlichen Perspektive heraus reagieren, entscheiden wir uns dafür, uns über das oberflächliche Erscheinungsbild zu erheben und die Lektion zu finden, die jede Erfahrung mit sich bringt.“

Vertrauen?

Jetzt sagst Du vielleicht, es gibt im Leben Situationen, die sind so leicht nicht zu bewältigen. Stimmt. Das Leben kann hart, grausam, gemein, schrecklich und enttäuschend sein. Manche Probleme scheinen unlösbar und manchmal stehen wir vor einem Berg von Problemen, der unbezwingbar scheint. Und wer unmittelbar am Abgrund steht, kann sich schwer vorstellen, dass er nicht im nächsten Augenblick abstürzt.

© yvart - Fotolia.com
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Doch bei allem Leid, das uns umgibt, das uns selbst trifft und in dem so viele Menschen untergehen, können und sollten wir uns immer bewusst machen: Wir sind göttlicher Herkunft! Und als göttliche Wesen bekommen wir immer wieder eine neue Chance, eine neue Gelegenheit. Das mögen wir in diesem Leben nicht erkennen. Vielleicht aber im nächsten. Oder im übernächsten.

Für mich persönlich hängt „annehmen“ auch mit Vertrauen zusammen. Ich meditiere seit langer Zeit über Vertrauen. In den meisten Dingen ist mein Vertrauen in Gott grenzenlos. In anderen Dingen arbeite ich daran, meine Ängste und Konditionierungen vertrauensvoll anzunehmen und schließlich aufzulösen. Neale Donald Walsch schreibt im ersten Band von „Gespräche mit Gott“:

„Nichts – nichts – existiert ohne einen von Gott verstandenen und gebilligten Grund.“

Edgar Cayce drückt es in Reading 5075-1 so aus:

„Wisse, dass alles, was existiert, einen bestimmten Sinn hat, denn Er, der die Welt überwunden hat, kann dir helfen, die Welt zu überwinden.“

Jeder Tag bietet neue Gelegenheiten

Diese Aussagen schenken mir die Kraft, die Opferrolle endgültig abzulegen und eine Macherin zu werden. Und wenn es heute nicht gelingt, dann vielleicht morgen. Jeder Tag bietet neue Gelegenheiten, uns selbst spirituell weiterzuentwickeln. Und vielleicht wäre das ein tolles Programm für dieses neue Jahr.

Was meinst Du?

©Sergey Galushko - Fotolia.com
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Autor: Cayceportal

Hallo, ich heiße Stefanie Piel und bin Diplom-Übersetzerin für Englisch und Französisch. Ich habe mich dem Werk Edgar Cayces verschrieben. Energiearbeit, Quantenphysik, Epigenetik und die Tatsache, dass wir mit allen und allem verbunden sind, begeistern mich immer wieder. Noch nie zuvor war ich so nahe an meinem wahren Ich dran wie jetzt. Ich möchte Edgar Cayce aus der esoterischen Ecke herausholen und sein Werk, basierend auf den neuesten Erkenntnissen, näher beleuchten.

5 Kommentare zu „Opfer oder Macher?“

  1. Danke! Das spricht mir aus dem Herzen. Außerdem tat es mir gut zu lesen, dass ich nicht die einzige bin, die es nicht mit guten Vorsätzen hat. Die Dinge müssen reifen.

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