Wächter auf deinen Mauern

„O Jerusalem, ich will Wächter auf deine Mauern bestellen, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nimmer stillschweigen sollen und die des HERRN gedenken sollen, auf dass bei euch kein Schweigen sei, und ihr von ihm nicht schweiget, bis dass Jerusalem zugerichtet und gesetzt werde zum Lobe auf Erden.“ (Jesaja 62,6-7)

Auf den Zinnen, Damaskustor

Schon von fern hörte ich die Stimme, die so sprach – auf niederländisch. Ein älterer Herr mit Hut stand dort oben auf den Mauern, einige Meter vor mir, und die Eindringlichkeit der Stimme war fesselnd. Leise stellte ich mich (etwas entfernt) daneben und lauschte fasziniert, bevor ich weiterging.

Nur wenige Meter weiter hörte ich eine weibliche Stimme, diesmal auf Deutsch, mit lauter Stimme beten:

„… Wünschet Jerusalem Glück! Es möge wohl gehen denen, die dich lieben! Es möge Friede sein in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen! Um meiner Brüder und Freunde willen will ich dir Frieden wünschen. …“ Psalm 122,6-8

Auf dem Damaskustor

Und wieder musste ich stehenbleiben, beeindruckt von der Tiefe des Gebets. Hier oben, auf den Wehrgängen der Mauern, die Jerusalem umgeben, war es wie ein Blick in eine andere Welt. Die Atmosphäre war unendlich friedlich. Weit unten sah ich in die Altstadt, auf der anderen Seite in die Neustadt. Geschäftiges Treiben herrschte hier wie dort.

Blick in die Altstadt
Blick in Altstadt und Damaskustor an Neustadtseite

Später erfuhr ich, dass eine Gruppe Beter und Beterinnen seit nunmehr 11 Jahren tagtäglich auf die Mauern Jerusalems steigen und dort Psalmen und Texte aus dem alten Testament beten. Sie beten für den Frieden in Jerusalem, dieser zweigeteilten „Stadt des Friedens“. Mittags trifft sich die auf den verschiedenen Mauerabschnitten verteilte Gruppe dann am Damaskustor, um dort gemeinsam noch einmal mit aller Kraft das Lob des Herrn zu beten.

„Warum ausgerechnet am Damaskustor?“ frage ich. „Weil hier die meisten Attentate passieren,“ ist die Antwort. „Doch seit wir hier beten, ist die Zahl stark zurückgegangen. Gebet bewirkt unendlich viel, und wenn die Menschen dies nur begreifen würden, so wäre die Welt glücklicher.“

Damaskustor, Ansicht Neustadt
Zinnen des Damaskustors

Warum nur wandern meine Gedanken bei solchen Aussagen immer zu Edgar Cayce? Vielleicht, weil Edgar immer wieder auf die Bedeutung des Gebets hingewiesen hatte?

Ich verschob diese Frage auf später und setzte meinen Rundgang über die Mauern fort. Bemerkenswerte Ausblicke belohnten meine Ausdauer (die Mauer ist gut 4000 Meter lang) und zahlreiche tierische „Wächter auf den Zinnen“ verfolgten wachen Auges meinen Weg.

Wehrgang und Jaffator
„Wächter auf den Zinnen“
Davidszitadelle und Blick auf Berg Zion

Die Kraft des Gebets

Wieder zurück in der geschäftigen Altstadt, setzte ich mich in ein Café, lehnte mich zurück, betrachtete das Gedränge auf der Straße und dachte über mein eindrucksvolles Erlebnis mit den Betern auf der Mauer nach und über den Frieden, der dort oben herrschte. Und wie schon auf der Mauer, so kam mir auch jetzt Edgar Cayce in den Sinn. So oft betonte er in seinen Readings, wie wichtig Gebet und Meditation sind, wieviel sie bewirken können und dass man durch sie – im richtigen Geist – Frieden und Heilung erreichen kann. In einem Reading sagte er sogar, dass die Gebete von zehn eine Stadt retten können, die Gebete von 25 eine ganze Nation! Lies selbst:

„Und wie gesagt wurde, was verhindert hat und in der Tat verhindert, dass die ganze Zivilisation in Aufruhr gerät, ist der Versuch jener, die die Ideale des Friedensfürsten im Herzen tragen! Und wie von alters her gesagt wurde, so können die Gebete von zehn eine Stadt retten; die Gebete von fünfundzwanzig können eine Nation erlösen – wie die Gebete und Aktivitäten von EINEM es können! Doch in der Einheit liegt Stärke.“ Reading 1598-2

Wie sehr können wir Menschen helfen, einfach indem wir beten. Einfach? Das ist leicht gesagt. Denn oft bekommen wir das Ergebnis unseres Gebets nicht zu sehen. Nur allzu häufig schreiben wir einen guten Ausgang einer anderen Ursache als unserem Gebet zu. Vieles spielt sich auch innerlich, auf einer ganz anderen Ebene ab, so dass wir gar nichts davon merken. Manchmal zeigt sich das Gewünschte und wir erkennen es nicht, weil es nicht das ist, was wir erwartet haben. Dann lassen wir uns nur zu leicht zu dem Gedanken verleiten, unser Gebet habe nichts genützt – und hören auf.

Aber Gebet nützt IMMER! Denn:

„Alle Gebete werden erhört. Schreibe Gott jedoch nicht vor, wie sie zu erhören sind. Nenne ihm deine Wünsche. Lebe, als ob du erwartest, dass sie erhört werden. Denn Er hat gesagt ‚Worum ihr in meinem Namen – gläubig – bittet, das wird mein himmlischer Vater euch geben.‘“ Reading 4028-1

Auf Berg Zion

Die katholische Erneuerungsbewegung Schönstatt, der ich, seit ich denken kann, nahestehe, hat zwei so genannte Anbetungsinstitute. In einem davon beten Anbetungsschwestern seit seiner Gründung im Jahr 1929 ununterbrochen Tag und Nacht vor dem geöffneten Tabernakel. Sie beten für einzelne Menschen, die sich mit Anliegen an sie wenden, sie beten für die Welt, für den Frieden, für mehr Glauben in der Welt, und so weiter. Wer weiß, wieviel mehr Unheil in der Welt geschehen würde, wenn es nicht weltweit solche Menschen gäbe?

„Kannst du verstehen, wie dein Gebet die Kranken retten, Harmonie bringen kann? Dein Bruder, dein Erlöser, wäre dir nahe, ist dir nahe, wenn du betest, wenn du darum bittest, dass Hilfe, Unterstützung, Gesundheit und Harmonie in der Erfahrung deines Nächsten sein mögen.“ Reading 281-27

Mich hat die Erfahrung auf den Mauern von Jerusalem erneut angeregt, mich noch mehr als zuvor dem Gebet und der Meditation zu widmen. Oft scheint es im Alltag mit all seinen Anforderungen unterzugehen. Und doch: Ich bin davon überzeugt, dass wir nur ein wenig Disziplin benötigen, um das tägliche Gebet und/oder die tägliche Meditation zu einer Routine zu machen. Auch wenn wir an manchen Tagen noch so müde sind, wenn der Tag noch so entmutigend war: Zumindest ein „Danke, lieber Gott“, „Bitte, mein Schöpfer“ oder ein „Vater unser“ sollte wohl noch drin sein.

Oder was meinst Du?

Südliche Altstadtmauer

 

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Autor: Cayceportal

Hallo, ich heiße Stefanie Piel und bin Diplom-Übersetzerin für Englisch und Französisch. Ich habe mich dem Werk Edgar Cayces verschrieben. Energiearbeit, Quantenphysik, Epigenetik und die Tatsache, dass wir mit allen und allem verbunden sind, begeistern mich immer wieder. Noch nie zuvor war ich so nahe an meinem wahren Ich dran wie jetzt. Ich möchte Edgar Cayce aus der esoterischen Ecke herausholen und sein Werk, basierend auf den neuesten Erkenntnissen, näher beleuchten.