Fehler sehen und Spiegelbilder

Kennst Du das auch? Da wirfst Du eine Aussage in den Raum und plötzlich entbrennt eine heftige Diskussion darum. Und Du fragst Dich, was Du da eigentlich gesagt hast, dass sofort darauf angesprungen wird? So ging es mir in dieser Woche mit einem Beitrag bei Facebook. Ich habe dort eine Fanseite für das Buch der Universellen Lebensgesetze und stelle ab und zu Aussagen von Edgar Cayce und Zitate aus dem Buch selbst ein. Diese garniere ich mit hübschen Bildern, denn die meisten von uns reagieren am stärksten auf Beiträge mit Bildern. Außerdem teile ich sie in verschiedenen spirituellen Gruppen.

Am Dienstag hatte ich dieses Bild mit dem folgenden Zitat eingestellt:

„Wisse, dass der Fehler, den du in anderen siehst, das Spiegelbild eines Fehlers in dir selbst ist.“ Edgar Cayce in Reading 1688-9

Bild: johnhain CCO Pixabay

Innerhalb weniger Stunden wurde der Beitrag vielfach „geliked“, geteilt und in einer der Gruppen ausgiebig kommentiert – viel mehr als meine anderen Beiträge. Und ich fragte mich, was an der Aussage so viel außergewöhnlicher ist als an anderen Zitaten von Edgar Cayce? Edgar war in seinen Readings oft sehr provokativ und legte häufig den Finger in ganz besonders tiefe Wunden, und ich hatte schon so einiges dieser Art eingestellt.

Missverstanden

Viele Kommentare waren interessanterweise sehr ablehnend, hier eine Auswahl:

„Verstehe ich nicht ganz. Wenn jemand in meinen Umfeld nur jammert und mich stört das, habe ich den selben Fehler???“

„Es gibt keine Fehler“

„Ich tue mich damit auch schwer zu verstehen… Wenn jemand einen Fehler macht, im Straßenverkehr oder gar strafrechtlich dann hab doch ich nicht diesen Fehler auch gemacht, jetzt oder irgendwann….“

„Blödsinn“

Was diese Kommentatoren vielleicht überlesen haben: Es geht bei diesem Satz nicht darum, dass ein anderer einen Fehler HAT, sondern darum, dass WIR einen Fehler in einem anderen SEHEN. Das ist ein Riesenunterschied! Denn unsere eigene Wahrnehmung unterscheidet sich doch oft sehr von der Wahrnehmung anderer. Was ich in einer Person als Fehler sehe, sieht ein anderer in dieser Person vielleicht als ganz normal?

Aus den Lebensgesetzen

Unabhängig davon, ob es „keine Fehler“ gibt oder ob das alles „Blödsinn“ ist: Wir nehmen oft Dinge in anderen wahr, die wir selber als „falsch“ empfinden. Dieses „falsch“ stützt sich auf unsere Erziehung, Konditionierung, Erfahrung in unserem Umfeld.

Ich habe zum Beispiel Nachbarn, von denen man oft annehmen könnte, sie wollten sich über mehrere Kilometer hinweg unterhalten, so laut reden sie. Ein ruhiges Sitzen im Garten ist kaum möglich, wenn sie auch im Garten sind. Und auch ansonsten zeichnen sie sich nicht durch Rücksichtnahme aus. Mich nervt das ungemein. Es gibt andere, die nervt sowas ganz und gar nicht! Ich sehe da einen Fehler. Andere sehen keinen.

Also stimmt Edgars Aussage nicht, oder?

Doch, tut sie. In dem Buch der Universellen Lebensgesetze, das ja auf Edgars Readings beruht, heißt es unter anderem:

… wenn wir einen verstörenden Fehler in einem anderen sehen, sind wir nicht geneigt, zuzustimmen oder auch nur in Betracht zu ziehen, dass wir selbst ebenfalls diesen Makel aufweisen. Doch der Fehler in einem anderen würde uns nicht stören oder verwirren, wenn wir nicht den gleichen Makel aufweisen würden. Dies ist ein Konzept, mit dem die meisten von uns nur schwer umgehen, geschweige denn, es akzeptieren können.

Halten wir jedoch ein und überlegen wir. Sie sind sich bewusst, dass ein bestimmter Makel in einem anderen für Sie erschreckend ist. Doch andere nehmen ihn vielleicht gar nicht wahr, oder wenn doch, finden sie ihn nicht erschreckend. Oder umgedreht: Was jemand anderen verstört, macht Ihnen vielleicht gar nichts aus. Ganz offensichtlich muss es in Ihnen einen Grund für Ihre Reaktion auf einen bestimmten Fehler in einem anderen geben. Vielleicht haben Sie den Fehler in sich selbst so wirksam unterdrückt, dass Sie ihn gar nicht bewusst erkennen; also weisen Sie den Gedanken weit von sich, dass Sie diese Schwäche haben. Aber sie kann dennoch vorhanden sein.

Hier geht also nicht um laut oder nicht laut. Es geht um den Geist, in dem ich etwas empfange oder tue. Wir müssen tiefer sehen.

Die Hauptursache für äußerst unharmonische menschliche Beziehungen ist die Neigung, anderen Menschen unsere Werte aufdrängen zu wollen. Wir möchten, dass sie nach dem leben, was wir für „richtig“, „gerecht“, „gut“, „schlecht“ usw. befunden haben. Wenn sie dem nicht entsprechen, werden wir aufgebracht und ärgerlich …

Für mich ist hier das Schlüsselwort „aufdrängen“. Mit ihrer Lärmerei drängen sich mir diese Leute regelrecht auf – sie zwingen mich, sie zur Kenntnis zu nehmen. Wo dränge ich mich auf? Vielleicht viel subtiler, aber dennoch … Wo bin ich rücksichtslos? Vielleicht auf andere Weise, aber …

Weiter steht da:

Wir können nichts tun, um die Werte, Konzepte oder den Glauben anderer zu ändern, wenn ihr Gewahrsein nicht bereit ist, Änderungen anzunehmen. Niemand ist verpflichtet, sich zu ändern, nur damit die Welt ein besserer Ort wird, an dem Sie leben können. Menschen können Sie verstören oder verärgern, doch die Tatsache, dass nicht jeder deren Verhalten missbilligt, weist darauf hin, dass es Ihr eigenes Problem ist. Sie widerstehen ihrer Realität und möchten Dinge sehen, nicht wie sie sind, sondern wie Sie sie haben möchten.

Da haben wir es wieder: „… die Tatsache, dass nicht jeder deren Verhalten missbilligt …“

(Übrigens wird das Universelle Gesetz „Gleiches bringt Gleiches hervor“ auch als „Spiegelprinzip“ bezeichnet …)

Und ein letzter Auszug aus diesem fantastischen Buch:

Jesus wusste genau um die grundlegenden Gesetze unseres Seins und verstand sie sehr gut. Er wusste, dass die Fehler, die wir in anderen sehen, unsere eigenen Fehler sind und dass wir diese Tatsache vor uns selber verbergen. Er sprach davon in einem Gleichnis:

„Was aber siehst du den Splitter, der in deines Bruders Auge ist, den Balken aber in deinem Auge nimmst du nicht wahr? Oder wie wirst du zu deinem Bruder sagen: Erlaube, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen; und siehe, der Balken ist in deinem Auge? Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus deines Bruders Auge zu ziehen.“ (Mt 7,3-5)

Danke, dass ich meine Gedanken mit Dir teilen darf!

Ein wunderschönes Wochenende
wünscht Dir herzlich
Stefanie

 

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Autor: Cayceportal

Hallo, ich heiße Stefanie Piel und bin Diplom-Übersetzerin für Englisch und Französisch. Ich habe mich dem Werk Edgar Cayces verschrieben. Energiearbeit, Quantenphysik, Epigenetik und die Tatsache, dass wir mit allen und allem verbunden sind, begeistern mich immer wieder. Noch nie zuvor war ich so nahe an meinem wahren Ich dran wie jetzt. Ich möchte Edgar Cayce aus der esoterischen Ecke herausholen und sein Werk, basierend auf den neuesten Erkenntnissen, näher beleuchten.